Die zukünftige Synodalkonferenz, in der katholische Bischöfe und Laien gemeinsam beraten sollen, ist laut dem Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller aus einem Minimalkompromiss entstanden. Zwar sei damit nach einem schwierigen und schmerzhaften Prozess „ein mit römischer Zustimmung rechtlich etabliertes Beratungsorgan“ geschaffen worden, doch zentrale Erwartungen des Synodalen Wegs hätten sich nicht erfüllt, sagte Schüller dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hatten am Wochenende für eine Satzung eines neuen synodalen Gremiums gestimmt, in dem in Zukunft über relevante Themen der katholischen Kirche in Deutschland beraten werden soll. Es muss jedoch noch vom Vatikan gebilligt und von Bischofskonferenz und ZdK einzeln verabschiedet werden.
Damit war ein jahrelanger Konflikt um mehr Teilhabe an Entscheidungsprozessen zwischen der deutschen engagierten Kirchenbasis, den katholischen Bischöfen und dem Vatikan beigelegt worden. Das Gremium ist ein Ergebnis des sechsjährigen Reformprozesses Synodaler Weg infolge des Missbrauchsskandals. Die Kurie hatte in den vergangenen Jahren regelmäßig interveniert und verlangt, dass ein solches Gremium nicht ohne die Zustimmung des Heiligen Stuhls etabliert werden und auch die Autorität des jeweiligen Ortsbischofs nicht schwächen dürfe.
Schüller sagte, dass die Synodalkonferenz an der Entscheidungsgewalt der Bischöfe nichts ändere. „Katholische Synodalität bedeutet guten Rat geben, aber nicht mitentscheiden, weil auch in Deutschland weiterhin die Bischöfe in der katholischen Kirche entscheiden“, sagte der Theologieprofessor.
Wesentliche Neuerungen sieht der Kirchenrechtler daher nicht. Diese Art Beratungsgremium sei etwa im Bistum Limburg seit mehr als 50 Jahren Realität. Es gebe zudem offene Fragen, etwa ob die Synodalkonferenz tatsächlich über das Budget des Verbands der Deutschen Diözesen beraten könne, in dem alle 27 deutschen Diözesen zusammengeschlossen sind. Dem müssten laut Schüller alle 27 Ortsbischöfe zunächst zustimmen.
Kirchenpolitisch spannend sei nun der Umgang mit den Bischöfen, die die Vorbereitungsarbeit an einem solchen Gremium bislang abgelehnt hätten. Nach der römischen Zustimmung könnten sie sich nicht länger auf Verbote aus Rom berufen. Entscheidend sei: „Wie werden die Bischöfe resozialisiert?“ Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki und die bayerischen Bischöfe Rudolf Voderholzer (Regensburg), Stefan Oster (Passau) und der mittlerweile emeritierte Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hatten die Mitwirkung bislang abgelehnt.
Für andere Länder tauge das Modell nicht als Vorbild, sagte Schüller. „Das ist eine typisch deutsche Lösung.“ In der Kurie gebe es eine historisch bedingte irrationale Angst vor nationalen Sonderwegen. Die katholische Kirche in Deutschland sei eine selbstbewusste, theologisch mutige Kirche, und das wolle die römische Seite einhegen, sagte Schüller.