MÜNSTER – Jesus spielt im Koran laut dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide eine größere Rolle als bislang angenommen. Der Koran gebe Hinweise, dass Jesus bedeutender als nur als Gesandter Gottes gesehen werden solle, sagte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster beim Katholikentag. Jesus werde im Koran beispielsweise als Zeichen, Diener und Wort Gottes dargestellt. Wenn der Koran auf Distanz gehen wollte, würde er diese Bezeichnungen nicht verwenden.
Auch in der islamischen Koranauslegung würden einige Passagen als Gegnerschaft des Christentums gedeutet, erklärte der Islamwissenschaftler, der gemeinsam mit dem Paderborner katholischen Theologen Klaus von Stosch das Buch „Der Andere Prophet. Jesus im Koran“ veröffentlicht hat. Es gehe im Koran nicht darum, in Gegnerschaft zum Christentum zu stehen. So werde Christen in einer Sure beispielsweise das ewige Leben versprochen.
Auch Klaus von Stosch erklärte, es gebe bei gründlicher Forschung keine Stelle im Koran, die gegen Jesus gerichtet sei. Was dort über Jesus stehe, seien Dinge, von denen auch Christen lernen könnten, sagte der katholische Professor für Systematische Theologie. epd