Die Frauenfrage besitzt laut einem neuen Vatikan-Papier in der Kirche eine hohe Dringlichkeit. Der größte katholische Frauenverband in Deutschland fordert nun sichtbare Konsequenzen - "und zwar in diesem Jahr".
Nach der Veröffentlichung einer Vatikanstudie zur Frauenfrage in der katholischen Kirche mahnt die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands Konsequenzen an. "Wir fordern nun den Vatikan auf, sich jetzt - und zwar in diesem Jahr - mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen und entsprechende Änderungen im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit anzustoßen", sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende des größten katholischen Frauenverbandes in Deutschland, Ulrike Göken-Huismann, am Mittwoch in Düsseldorf. Konkret nannte die kfd-Vertreterin die Predigterlaubnis für Nicht-Geweihte sowie die Zulassung von Frauen zum Diakonat, der untersten Weihestufe in der katholischen Kirche.
Der Vatikan hatte die Studie am Dienstag veröffentlicht. Darin wird die Klärung der Frauenfrage in der katholischen Kirche als dringlich beschrieben. Die Studie war während der Weltsynode (2023/2024) von Papst Franziskus unter der Oberhoheit der Glaubensbehörde in Auftrag gegeben worden. Das 74 Seiten umfassende Papier stellt fest, dass es ein "spezifisches Unbehagen unter vielen Frauen bezüglich ihrer Teilhabe am Leben ihrer Gemeinden" gebe, insbesondere wenn man es vergleiche mit den Möglichkeiten im bürgerlichen Leben.
Dies gelte keineswegs nur für westliche Gesellschaften und habe dazu geführt, dass eine immer größere Zahl von Frauen sich nicht mehr damit identifizieren könne, katholisch zu sein. Wörtlich heißt es: "Eine wachsende Zahl von Frauen jeder Altersgruppe und in unterschiedlichen Teilen der Welt fühlen sich im Haus des Herrn nicht mehr zuhause - bis hin zu dem Punkt, dass sie es vollständig verlassen."
Bei möglichen Änderungen solle die Kirche jedoch weder der Versuchung zur Furcht noch der Versuchung zur Hast erliegen, so die Autoren der Studie. Ohne konkrete Empfehlungen zu geben, stellen sie ferner fest, dass es in der Bibel und in der Kirchengeschichte zahlreiche Frauen gab und gibt, die Macht in der Kirche ausgeübt haben.