Katholische Reformgruppen: Vorsitzendenwahl keine Routineentscheidung

Vor der Wahl eines neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz warnen katholische Reformgruppen vor einem Rückschritt: Inmitten einer tiefen Kirchenkrise drohten Erneuerungsprozesse ausgebremst zu werden.
Katholische Reformgruppen: Vorsitzendenwahl keine Routineentscheidung
Katholische Reformgruppen wie Maria 2.0 mahnen vor der Wahl des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zu mehr Erneuerung (Archivbild)
Imago / Arnulf Hettrich

Vor der Wahl eines neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz haben katholische Reformgruppen vor einer Verzögerung kirchlicher Erneuerungsprozesse gewarnt. Die Neuwahl sei keine „0815-Wahl“, sondern finde „inmitten einer tiefen Kirchenkrise statt“, erklärten 18 Organisationen und Verbände, darunter „Wir sind Kirche“ und Maria 2.0. Als Beispiele genannt werden ein Vertrauensverlust nach der Missbrauchskatastrophe, eine schleppende Umsetzung von Reformen, massive Kirchenaustritte und wachsende innere wie äußere Polarisierung.

Reformgruppen sehen Risiken nach Bätzings Verzicht

„Wer diese Wahl auf eine Personalfrage reduziert, verkennt ihre kirchenpolitische Tragweite“, hieß es in der Erklärung weiter. Der Verzicht des Limburger Bischofs Georg Bätzing auf eine zweite Kandidatur sei sehr bedauerlich und stelle ein großes Risiko für künftige Reformen dar. Das Amt des Vorsitzenden sei kein Leitungsamt mit Durchgriffsrechten, sondern wesentlich auf Moderation angewiesen. Genau darin liege das Dilemma: „Verantwortung wird personalisiert, Macht bleibt kollektiv gebunden - und Blockade ist jederzeit möglich.“

Katholische Reformgruppen warnen vor wachsendem Autoritarismus

Innerkirchlich würden Kräfte an Einfluss gewinnen, die unter dem Schlagwort „Lehrtreue“ autoritäre Leitungsmodelle, klerikale Machtkonzentration und eine Rückabwicklung synodaler Prozesse propagierten, so die Reformgruppen weiter: „Reformbeschlüsse werden relativiert, verzögert oder faktisch ausgebremst. Gleichzeitig erstarken gesellschaftlich nationalistische und demokratiefeindliche Strömungen, die religiöse Sprache instrumentalisieren, um Ausgrenzung zu legitimieren.“ Wie Bätzing müsse auch der neue Vorsitzende diesem Rechtsruck entschieden widerstehen - innerkirchlich wie gesellschaftlich. „Doch er kann das nur, wenn ihn die Mehrheit der Bischöfe mitträgt.“

Die katholischen Bischöfe in Deutschland kommen zu ihrer Frühjahrsvoll-Versammlung in Würzburg zusammen. Wichtigster Tagesordnungspunkt ist die turnusmäßige Wahl eines neuen Vorsitzenden. Der Limburger Bischof Georg Bätzing kandidiert nicht erneut. 

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