Zehn Euro für den Arztbesuch: Jahrelang brauchten Patienten in der Praxis Bargeld. Grund war die Praxisgebühr. Eine mögliche Wiedereinführung steht in der Kritik, gilt sie doch unter anderem als bürokratisch.
Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, lehnt die Wiedereinführung einer Praxisgebühr ab. Eine “Praxisgebühr reloaded” wie vor rund 20 Jahren spüle zwar Geld in die Kassen, sagte er der “Rheinischen Post”. “Sie wäre aber in der früheren Art und Weise sehr bürokratisch und würde kaum als Steuerungselement taugen.”
Gassen forderte hingegen Wahltarife für Kassenpatienten. “Lässt sich der Patient durchs Gesundheitssystem leiten, zahlt er gegebenenfalls einen geringeren Beitragssatz.” Dabei wolle man Menschen keinesfalls Leistungen vorenthalten. Es gehe um die Frage, ob sich die Patienten steuern lassen wollten, und darum, dass das dann auch belohnt werde. Er verwies dabei auf knapper werdende Ressourcen im Gesundheitswesen.
Zuvor hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Wiedereinführung der Praxisgebühr für Arztbesuche von gesetzlich Versicherten in Betracht gezogen. Die Gebühr könne ein mögliches Instrument bei der Einführung eines sogenannten Primärarztsystems sein. Als denkbar bezeichnete Warken auch einen Bonus für Patienten, die vor einem Facharztbesuch zunächst den Hausarzt konsultierten. Eine Aufteilung der gesetzlichen Krankenversicherung in Basistarif und Zusatztarife lehnt sie aber ab.
Die Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro pro Quartal galt von 2004 bis Ende 2012 bei jedem Arzt- oder Zahnarztbesuch. Ziel war es, überflüssige Arztbesuche zu verhindern.