60 Jahre lang sorgte der Karikaturist Horst Haitzinger für “gezeichnete Schlagzeilen”. Führende deutsche Zeitungen und Zeitschriften druckten seine Arbeiten. Nun ziehen diese komplett in die Staatsbibliothek ein.
Horst Haitzinger (86), einer der bedeutendsten politischen Karikaturisten im deutschsprachigen Raum, übergibt sein karikaturistisches Werk der Bayerischen Staatsbibliothek. Dies teilte das Haus am Donnerstag in München mit. Das Archiv umfasst demnach mehr als 10.000 handgezeichnete Arbeiten, ausgeführt in Tusche und Aquarell. Diese entstanden in der Zeit von 1958 bis 2019. Die Erwerbung ergänze vortrefflich den Bestand an Karikaturen in der Staatsbibliothek, wie sie etwa auch in Nachlässen von Graf Franz von Pocci, Carl Spitzweg und Friedrich August von Kaulbach zu finden seien.
Haitzinger ist “Maler, Zeichner, Cartoonist, Spötter, Moralist, Satiriker, politischer Nachdenker, Kommentator und vor allem Künstler”, wie Matthias Murko im Katalog zur Nürnberger Ausstellung “Unverkennbar Haitzinger!” 2015 in Nürnberg schrieb. Er zeichne tagesaktuell, sein Werk aber sei über den Tag hinaus gültig. Er mache Politik begreiflich und fertige daraus gezeichnete Schlagzeilen.
Die handwerklichen Grundlagen für sein künstlerisches Schaffen eignete sich Haitzinger während seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Linz und des daran anschließenden Malerei- und Grafikstudiums an der Akademie der Bildenden Künste in München an. In der Folge war er für führende deutsche Zeitungen und Zeitschriften als Karikaturist tätig. So zeichnete er in den späten 1950er Jahren zunächst für die Satirezeitschrift “Simplicissimus” und später unter anderen für die “tz”, die “Nürnberger Nachrichten” und die “Rheinzeitung”. Für die Illustrierte “Bunte” war er mehr als 27 Jahre tätig.
“Es freut mich einerseits sehr, einen großen Teil meines Lebenswerkes in guten Händen und zugleich weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich zu wissen. Ich möchte andererseits aber nicht verhehlen, dass ich gegen eine gewisse Endzeitstimmung ankämpfen muss”, erklärte Haitzinger laut Staatsbibliothek.