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Kabarettist Zimmerschied: Populismus kommt nun ungefiltert daher

Einem großen Publikum ist Sigi Zimmerschied vor allem aus den Eberhofer-Filmen bekannt. Nun kommt der niederbayerische Kabarettist mit neuen Programm heraus. Sein Protagonist ist ein inkompetenter, narzistischer Coach.

Sigi Zimmerschied (71), bayerischer Kabarettist und Schauspieler, sieht den Populismus in einer neuen Dimension angekommen. Nicht werde mehr versteckt, chiffriert oder kaschiert, sagte der Künstler der Münchner “Abendzeitung” (Montag). Stattdessen kämen die Sachen “in einem unglaublichen Machtrausch und einer unglaublichen Überzeugung über die Ohnmacht der Anderen ungefiltert daher”. Teilweise funktioniere es sogar. “Das eigentlich Erschütternde daran ist, dass es sogar eine Sehnsucht danach gibt, dass man sich so eine maulaffenartige Stärke wünscht”, so Zimmerschied.

In seinem neuen Programm “Kein Thema – eine deutsche Antwort” hat der Kabarettist die Figur des “Heini Himmerl” in den Mittelpunkt gestellt. Dieser gebe als Coach, Work-Live-Balancing-Trainer und No-Problem-World-Creator vor, die Probleme weltweit lösen zu können. Damit greife er auf, was man momentan auf allen Ebenen mitkriege, sagte Zimmerschied: “Diese Menschen, die die Schwäche und Trostlosigkeit der Anderen ausnutzen, obwohl sie selbst schwach sind.” Nach den Worten des Kabarettisten geht es im Grunde um Despotismus. “Wie jemand, der selbst keine Lösung hat, anderen mit seinen Ratschlägen und Aktionen ins Verderben treibt.”

Im Spätherbst kommt laut dem Künstler außerdem der neue, von ZDF und ORF produzierte Fernsehfilm “Unruhe um einen Friedfertigen” nach dem gleichnamigen Roman von Oskar Maria Graf heraus. Es handle sich um eine ernsthafte, schwere Geschichte. Im Zentrum stehe ein großer Bauer, der sich in alles einmische, um diese faschistoide Stimmung der Jahre 1918 bis 1933 aufzuhalten, die sich in seinem Dorf entwickelt habe. Dazu komme ein kleiner Schuster, der sich aus allem am liebsten heraushalte. “Beide gehen aber trotzdem unter, weil es gegen diese Gewalt keine Lösung gibt.”

Matti Geschonneck, der Regisseur von “Die Wannseekonferenz” habe die zwei Hauptfiguren unbedingt mit Hader als Schuster und ihm als Bauern besetzen wollen, so Zimmerschied: “Ein sehr großes Erlebnis! Eine Qualität, in der ich bisher noch nicht gearbeitet habe.” Zimmerschied ist unterem aus den Eberhofer-Filmen bekannt.