Artikel teilen:

Jüdisches Kulturnetzwerk “MIT2WO” will Miteinander stärken

Das jüdische Kulturnetzwerk „MIT2WO“ will in unsicheren Zeiten Brücken bauen. Vereinsgründer Giorgio Paolo Mastropaolo beobachtet nicht nur den wachsenden Antisemitismus in Deutschland mit Besorgnis, sondern will sich klar gegen jegliche Form von Diskriminierung positionieren. „Unsere Türen sind für alle geöffnet“, sagt Mastropaolo.

Der Name des Vereins entstammt dem hebräischen Begriff „Mitzva“ und bedeutet „eine gute Tat“. Im Jahr 2022 hatte Mastropaolo das Kulturnetzwerk gegründet. Die Idee sei nach einem Gespräch mit der 2025 verstorbenen Peggy Parnass entstanden. Die jüdische Schauspielerin und Autorin habe ihr Leben lang gegen Diskriminierung und Ausgrenzung eingesetzt. „’Was können wir tun?’ Diese Frage hat mir Peggy Parnass damals gestellt. Meine Antwort darauf war MIT2WO“, erzählt der 53-Jährige.

„Das Judentum in Deutschland wird oft in eine Schachtel gepackt. Es geht um Holocaust und darum, an bestimmten Tagen sichtbar zu sein, Rituale auszuführen.“ MIT2WO setze einen anderen Fokus. „Wir wollen eine dynamische Verbindung zwischen jüdischem und nicht-jüdischem Leben herstellen.“

„Viele jüdische Institutionen haben eins gemeinsam: Sie reden nur über sich selbst“, kritisiert der jüdische Buchautor Michel Rodzynek, der die Arbeit des Vereins unterstützt. In diesem Zusammenhang verweist MIT2WO darauf, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland mit etwa 100 Gemeinden und rund 100.000 Mitgliedern nur etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden vertrete.

Deshalb sei es für MIT2WO so wichtig, sich in der Vereinsarbeit auch mit nicht-jüdischen und säkularen Themen zu beschäftigen. So stelle der Verein bei der jährlich stattfindenden „Chanukka-Alsterrundfahrt“ in diesem Jahr das ehrenamtlich betriebene Medizinzentrum „Praxis ohne Grenzen“ vor, das Menschen ohne Versicherungsschutz ärztlich betreut. „Wir alle leben gemeinsam und können nur gemeinsam etwas bewirken“, erklärt der Vereinsgründer.

Ein weiteres bestehendes Projekt des Vereins führt Mastropaolo regelmäßig in Schulen und an die Polizeiakademie. „Dort versuchen wir, Opfer-Täter-Dynamiken in den Hintergrund zu stellen und darüber zu sprechen, wie man sich als Mensch begegnen kann.“ Bei den Vorträgen in der Polizeiakademie beinhalte das auch den Versuch, sich in der Neutralität zu trainieren. „Gerade Polizistinnen und Polizisten geraten oft in Stresssituationen, in denen sie einem Schubladendenken verfallen könnten. Darüber, wer als Aggressor wahrgenommen wird zum Beispiel.“

Mastropaolo arbeitet eng mit Michael Batz, dem ehrenamtlichen Vorstandsmitglied des Vereins, zusammen. Batz ist Lichtkünstler und setzt seine Installationen immer wieder für MIT2WO ein. „Licht ist für mich eine Art der Sprache“, erklärt er. Außerdem lege er Wert darauf, dass die Projekte von MIT2WO in die Öffentlichkeit führen. „Unsere Gesellschaft driftet auseinander, das ist ein Problem. Wir wollen das Miteinander betonen.“

Der Kern der Arbeit von MIT2WO sei es, Raum zu schaffen, für zwischenmenschlichen Austausch und respektvolle Begegnungen. So wolle der Verein dazu beitragen, Vorurteile gegenüber diskriminierten Bevölkerungsgruppen in Deutschland abzubauen.