Der Journalist Philipp Awounou hält einen differenzierten Blick auf Rassismus gegen Nationalspieler für wichtig. Er könne in Teilen verstehen, dass es viel Unverständnis über eine Umfrage zur Hautfarbe von Nationalspielern gegeben habe, sagte Awounou in der WDR-Sendung „Hart aber fair“ mit Blick auf seine TV-Dokumentation über rassistische Einstellungen zur deutschen Fußballnationalmannschaft. Bei der Recherche für den Film sei er auf rassistisch konnotierte Aussagen gestoßen, und er halte es für legitim, sich damit genauer zu befassen.
In der Umfrage für die TV-Dokumentation „Einigkeit und Recht und Vielfalt“ hatten 21 Prozent der Befragten angegeben, dass sie es besser fänden, wenn wieder mehr Spieler mit weißer Hautfarbe in der Nationalelf spielen würden. Die Mehrheit der Befragten (65 Prozent) stimmte der Aussage laut WDR eher nicht oder überhaupt nicht zu. Das Ergebnis, aber auch die Frage selbst, hatten für Kritik gesorgt. Unter anderem Nationaltrainer Julian Nagelsmann hatte kritisiert, dass solche Fragen überhaupt gestellt würden.
Rassistische Haltungen gezielt hinterfragen
Awounou erklärte, es sei ihm als Autor der Dokumentation und dem WDR darum gegangen, zu verstehen, inwiefern rassistische Aussagen zur Hautfarbe von Nationalspielern von einem relevanten Teil der Bevölkerung geteilt werden oder ob es sich dabei lediglich um „Internettrolle und Ewiggestrige“ handele.

Wenn man rassistische Haltungen überprüfen wolle, müsse man mit ihnen arbeiten. So funktioniere empirische Sozialforschung, sagte der Journalist. Das sei gängige Praxis, beispielsweise auch in der Mitte-Studie. „Und deshalb haben wir Rassismen abgefragt, um zu verstehen, ob diese Ergebnisse, die wir in unserer Recherche erzielt haben, ob die einen ausreichend großen Teil der Bevölkerung überhaupt widerspiegeln.“
Rassismusbekämpfung ist gesellschaftliche Aufgabe
Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil sagte in der Sendung, er nehme in seiner politischen Arbeit wahr, dass Rassismus in Deutschland wieder zunehme. „Das ist da und es würde überhaupt nichts bringen, wenn man das wegwischt.“ Es sei wichtig, die Mehrheit, die laut Umfrage Spieler mit Migrationshintergrund begrüßen, weiter zu stärken, sagte Klingbeil.
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Spieler wie Jonathan Tah und Jamal Musiala und alle anderen würden „selbstverständlich dazugehören“. „Das ist das moderne Deutschland, und da können wir stolz drauf sein“, betonte der SPD-Vorsitzende. Dies zu leisten, sei nicht Aufgabe der Nationalmannschaft oder des Bundestrainers, sondern der Gesellschaft. Dafür müsse man die aktuelle Debatte „als Weckruf sehen und als Auftrag, den wir alle mitnehmen“.