Predigttext
3 Und Johannes, der Sohn des Zacharias, kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. (…) 7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; 10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? 11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. 12 Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14 Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!
Predigttext für den Sonntag. Noch während ich die Zeilen lese und überlege, wie sie theologisch korrekt ausgelegt werden, blitzt ein Gedanke auf: Manchmal hätte ich auch gerne so einen Johannes in meinem Leben.
Jemanden, der so von Gott erfüllt ist. Der sich nicht darum schert, was andere tun oder denken. Der sein Ding macht und auch mir sagen kann, wo es langgeht.
Der Täufer Johannes ist sehr klar, in dem, was er sagt. Er findet für unsere heutigen Verhältnisse krasse Worte. Er kündigt Jesus an und sagt den Menschen, sie sollen sich gut darauf vorbereiten. Was er von sich gibt, klingt zum Teil bedrohlich.
Die Menschen wollen wissen, was sie tun sollen, um so zu leben, dass sie nicht Gottes Zorn auf sich ziehen.
Das Leben in Frage stellen lassen
Johannes antwortet ihnen. Großzügig sollen sie sein. Die Zöllner sollen andere nicht über den Tisch ziehen. Soldaten sollen nicht gewalttätig werden und sich bereichern. Für uns heute selbstverständlich, war damals aber wohl nicht so. Möglicherweise fiel es unter den Begriff „Kavaliersdelikt“, wenn Zöllner andere betrogen haben oder Soldaten über die Stränge schlugen.
Und jetzt sitze ich hier und beneide diese Menschen. Sie haben Johannes vor sich, der ihnen Anweisungen gibt. Das würde ich mir manchmal auch wünschen. Jemand, den ich fragen kann, wenn ich mir unschlüssig bin in meiner Lebensgestaltung.
Der mir Orientierung gibt. Der mir zum Beispiel sagt, wie ich mit den älter werdenden Eltern umgehe. Oft wäre ich auch froh, wenn ich wüsste, wie ich mich in manchen Beziehungen verhalten soll. Wie offen darf ich sein, ohne dem anderen auf den Schlips zu treten?
Und inwieweit sollte ich ruhig auch mal an mich denken und wann soll ich für andere da sein? Wäre es gut, beruflich noch mal eine andere Richtung einzuschlagen?
Ehrlich – ich hätte da schon ein paar Fragen an so einen Johannes. Ich würde gerne ein Gott gefälliges Leben führen, finde das aber manchmal gar nicht so einfach.
Andererseits muss ich zugeben: Wenn mir jemand das an den Kopf knallen würde, was Johannes damals zu der Menge sagte, wäre ich nicht gerade begeistert. Und eigentlich bin ich ja auch deswegen so gerne evangelisch, weil ich meinen Glauben in einer großen Freiheit leben kann.
Und doch: Da bleibt eine Sehnsucht in mir. In aller Freiheit – ich brauche auch Orientierung. Ich möchte immer wieder aufs Neue bereit sein, mich in Frage stellen zu lassen. Meinen Lebensstil zu überprüfen. Da braucht es „Input“, Unterweisung von außen.
Johannes spricht von Buße und Umkehr. Kein Versteckspiel mit Gott. Keine Ausreden wie „Ich bin eben so“. Ich bin eben so, dass ich schnell wütend werde. Oder beleidigt bin. Oder verbal um mich schlage, wenn ich mich in die Ecke gedrängt fühle.
Die Chance auf Veränderung besteht
„Ich bin eben so“ – aber das muss nicht so bleiben. Niemand „ist eben so“. Zumindest nicht auf Dauer und in Stein gemeißelt. Umkehr heißt auch, dass ich mich immer wieder einmal in Frage stellen lasse. Dass ich meine Motivation überprüfe und bereit bin, Verhaltensweisen zu überdenken und Gewohnheiten zu ändern.
Mich beschleicht das Gefühl, dass sich da so ein „Johannes“ in mir meldet. Das gefällt mir. Ich nehme mir vor, ihn immer wieder mal zu fragen, wo es langgeht und wie es weitergehen könnte.
