Die Marburger Iranistin Bianca Devos sieht angesichts der aktuellen Proteste im Iran durchaus das Potenzial für einen friedlichen Machtwechsel aus der iranischen Zivilgesellschaft heraus. Bei vergangenen Demonstrationen sei die Opposition zu uneins gewesen, um ausreichend Druck auf die Führung der Islamischen Republik ausüben zu können, sagte Devos. Die Risiken einer weiteren Gewalteskalation seien aber „ebenfalls nicht gering“.
Iran: Wirtschaftskrise treibt Menschen auf die Straße
Ursache für die seit Dezember anhaltenden Demonstrationen sei ein rapider Wertverfall der iranischen Währung. Angesichts der schweren wirtschaftlichen Krise schlossen Devos zufolge die Basarhändler ihre Läden und gingen auf die Straße. „Den Protesten schlossen sich andere Teile der Bevölkerung an, die insgesamt schon lange unter großem wirtschaftlichem Druck steht.“ Es kam zu einer Massenbewegung über verschiedene gesellschaftliche Schichten und Altersgruppen hinweg, wie die Professorin für Iranistik erklärte.
Iran-Machtwechsel: Die Rolle von Reza Pahlavi im Exil
Der jetzt überraschend in den Fokus gerückte Sohn des ehemaligen Schahs habe bei früheren Protestwellen keine prominente Rolle gespielt. Reza Pahlavi sei der älteste Sohn des 1979 gestürzten Monarchen Mohammad Reza Schah; er lebe seit dem späten Teenageralter im Exil in den USA. „Dass er jetzt als mögliche Führungsfigur der Protestbewegung wahrgenommen wird, ist neu und hat sich erst im Laufe der Proteste entwickelt.“ Wie stark sein Rückhalt unter den Protestierenden innerhalb Irans sei, lasse sich derzeit angesichts der unterbrochenen Kommunikation nicht sagen, unter anderem wegen des abgeschalteten Internets.
