Iranischer Pfarrer: “Islamische Republik” sei nicht friedlich zu beenden

Nach den Angriffen auf den Iran ist die Lage angespannt. Theologe Mehrdad Sepehri Fard spricht über Angst, Hoffnung und die Sehnsucht vieler Iraner nach einem Ende der Islamischen Republik.
Iranischer Pfarrer: “Islamische Republik” sei nicht friedlich zu beenden
Theologe Sepehri Fard über die Stimmung im Iran nach den Angriffen und die Hoffnung vieler auf ein Ende des Regimes
Imago / ZUMA Press Wire

Die Angriffe von Israel und der USA seien für viele Iraner sehr belastend, erklärt der aus dem Iran stammende evangelische Theologe Mehrdad Sepehri Fard. Zugleich sei vielen klar, dass die „Islamische Republik“ nicht mit friedlichen Mitteln zum Aufgeben gezwungen werden könne, sagte der Theologe der „Fachstelle Seelsorge für persischsprachige Christen“ in Westfalen" in Paderborn dem Evangelischen Pressedienst (epd).

epd: Sie stehen im Kontakt mit Angehörigen und Bekannten im Iran - was hören Sie, wie ist nach den Angriffen die Stimmung unter den Menschen, mit denen Sie Kontakt haben?
Sepehri Fard: Die Stimmung ist einerseits sehr angespannt. Alle Menschen sind gegen einen Krieg, und es ist belastend, wenn ein anderes Land uns angreift. Viele Menschen im Iran sehen den Krieg aber zugleich als letzte Chance, dass die Revolutionsgarden und die Islamische Republik entwaffnet werden. Die Menschen gehen seit Jahrzehnten auf die Straße und demonstrieren. Die Antwort war immer die gleiche: Kugeln, Gewalt, Vergewaltigung, Hinrichtung.

Die Menschen wissen, dass sie mit bloßen Händen und Steinen gegen die Revolutionsgarde nichts ausrichten können. Wir haben gesehen, dass es bei den Demonstrationen Anfang Januar innerhalb von zwei Tagen mehr als 30.000 Tote gab.

Die Angriffe der USA und Israel auf den Iran sehen viele Menschen, auch Iraner im Exil, als Chance im Kampf gegen das Regime. Als bekannt wurde, dass der Diktator Ajatollah Ali Chamenei und andere Minister getötet wurden, haben Menschen auf den Straßen getanzt - im Iran, aber auch im Exil.

epd: Sehen Sie eine Chance auf einen Regime-Wechsel im Iran?
Das hängt nicht allein an einer Person. Als damals Ayatollah Khomeini starb, hat sich nichts verändert. Auch wenn Chamenei tot ist, ändert sich erst einmal nichts. Es rückt jemand anderes nach. Das Problem ist das System - die Islamische Republik. Diese Islamische Republik kann man nicht mit Gesprächen und friedlichen Mitteln abschaffen.

Wir machen uns natürlich Sorgen um unsere Familien, die im Iran leben. In jedem Krieg werden auch Zivilisten getroffen. Aber es gibt keine Wahl: Entweder bleibt alles so, und dann werden immer mehr Menschen durch die Revolutionsgarden sterben. Oder es gibt einen Angriff, verbunden mit der Hoffnung, dass die Islamische Republik gestürzt wird.

epd: Wie sind unter diesen Umständen Kontakte zu Angehörigen im Iran möglich?
Kommunikation ist sehr schwierig, weil das Internet lahmgelegt ist. Seit der Krieg begonnen hat, habe ich keine Nachricht von meinem Bruder oder von anderen Angehörigen. Wir schreiben Nachrichten über WhatsApp, aber sie kommen nicht an. Auch das Telefon funktioniert nicht. Es gibt nur die begrenzte Möglichkeit über das Satellitensystem Starlink, aber die Möglichkeit haben nicht alle.

epd: Was bedeutet die Situation für die Menschen aus dem Iran in Deutschland, die Kontakte zu Angehörigen im Iran haben?
Sie machen sich große Sorgen, alle haben Eltern, Brüder, Schwestern oder andere Angehörige im Iran und sie können nicht kommunizieren. Wir machen uns aber nicht nur um unsere eigenen Familien Sorgen, sondern um Iraner im ganzen Land. Dieser Militärangriff schwächt die Islamische Republik. Wenn die Revolutionsgarde und das Militär geschwächt und entwaffnet sind, besteht die Chance, dass die Menschen nochmal auf die Straße gehen und einen Wechsel herbeiführen.

epd: Was bedeutet der Krieg im Iran für Ihre Arbeit? Was erleben Sie vor Ort an Sorgen und Wünschen der Menschen aus dem Iran?
Es gibt natürlich einen größeren Bedarf an seelsorgerlichen Gesprächen. Viele Menschen machen sich Sorgen, viele Menschen haben auch Angehörige durch die Massaker im Januar verloren. Diese Menschen brauchen seelsorgerische Gespräche, das ist ein Teil meiner Arbeit. Als Vertreter der westfälischen Landeskirche, der für iranische Christen zuständig ist, ist es auch meine Aufgabe, zu zeigen, dass die Kirche auf der Seite von Menschenrechten und gegen Gewalt steht.

Wir feiern Gottesdienste, um Solidarität mit den Menschen im Iran zu zeigen. Die Kirche bietet auch einen Raum für Trauer, wenn Menschen nicht an einer Trauerfeier für Angehörige im Iran teilnehmen können. 

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