Sie erleben regelrechte Hasskampagnen: Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes werden bedroht. Grund ist auch die Neutralität in Konflikten.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist bei seiner Arbeit weltweit zunehmend mit Hass und Drohungen konfrontiert. "Neutralität war noch nie einfach", sagte Cordula Dröge, Expertin für humanitäres Völkerrecht und Leiterin der IKRK-Rechtsabteilung, der "Rheinischen Post" vom Samstag. "Heute empfinden wir aber einen besonderen Druck: Unsere Neutralität wird nicht nur infrage gestellt. Es gibt sogar regelrechte Hasskampagnen, die zu Vandalismus führen, und zur Bedrohung unserer Sicherheit."
Dröge betonte: "Unsere Neutralität besteht darin, dass wir mit allen Konfliktparteien sprechen. Denn alle Staaten und Kriegsparteien müssen sich ans humanitäre Völkerrecht halten." Sie betonte, dabei sei es egal, ob sie den Krieg angefangen hätten oder nicht, ob sie aus Selbstverteidigung handelten oder nicht und ob sie gegen illegitime Akteure vorgingen oder nicht. "Wir sagen: Egal, auf welcher Seite des Konflikts ihr steht, ihr müsst das humanitäre Völkerrecht beachten. Das ist für manche Kriegsparteien schwer zu hören. Doch es geht darum, die Menschen im Krieg zu schützen." Auf allen Seiten des Krieges gebe es Opfer. "Das mag eine schwierige Botschaft sein, aber es ist die einzig richtige und die einzig realistische Botschaft in Kriegen."