Ein Highlight war es für die Künstlerinnen und Künstler des Ateliers „Zitronenblau“, die Aufwärm-T-Shirts von Fußballern des 1.FC Kaiserslautern zu gestalten. „Das war für uns alle sehr aufregend“, erinnert sich Nina Mursinsky, die künstlerische Leiterin. Seit zehn Jahren gibt es in dem lichtdurchfluteten Atelierraum in der Kaiserslauterer Altstadt das besondere inklusive Kunstprojekt des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz: Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen kommen dreimal in der Woche vormittags für ein paar Stunden zusammen, um gemeinsam zu malen oder plastische Objekte zu gestalten.
Das Atelier, in dem die Künstlerinnen und Künstler ihre Ideen frei verwirklichen können, ist zu einer festen Adresse in der regionalen Kunstszene geworden. Regelmäßig gibt es Ausstellungen – zuletzt im November in der Kaiserslauterer Fruchthalle. Bei Werkschauen werden, wie in der Vorweihnachtszeit im Fachdienst „JobWERK“ des Gemeinschaftswerks in der Westpfalzmetropole, Bilder, Kunstpost- und Weihnachtskarten, Plastiken und Dekoration verkauft. Auch das Marketing des 1.FCK wurde auf das Atelier mit dem geheimnisvollen Namen aufmerksam: Spieler und Kader trugen die 26 individuell bemalten T-Shirts beim Spiel gegen Düsseldorf Ende März.
#Spaß an der Kunst steht im Mittelpunkt
Im Atelier „Zitronenblau“ geht es in erster Linie um den Spaß an der eigenen Kunst: Ein junger Mann mit langen Haaren im „Iron Maiden“-Shirt pinselt mit roter und blauer Acrylfarbe über einen Adler, der sich über einem grau angedeuteten Wald erhebt. „Das ist Entspannung, auch Therapie für mich“, sagt der Mann, der in einer Einrichtung des Gemeinschaftswerks arbeitet. Ob er das Bild behalten oder verkaufen will, weiß der Heavy-Metal-Fan noch nicht: „Das zeigt die Zeit.“
An einem langen Tisch beugen sich an diesem Morgen sechs Frauen und Männer hoch konzentriert über ihre Arbeiten. Hier entsteht „Art Brut“ – Kunst von Autodidakten, die ihre Träume, Ängste und Lebensgeschichten unter Anleitung von Kunsttherapeutin Mursinsky in Farben und Formen umsetzen. Das Schaffen wirke entspannend, fördere das Selbstwertgefühl und die persönlichen Ressourcen der Teilnehmenden – gleich ob diese psychisch oder geistig beeinträchtigt seien oder nicht, sagt sie.
#Malen entspannt und lenkt dunkle Gedanken ab
Eine Frau aus Ramstein, die seit vier Jahren in der „Zitronenblau“-Gruppe dabei ist, freut sich nach einer längeren gesundheitsbedingten Auszeit, wieder zurück zu sein. Striche und Kringel aus Wachsmalkreide bedecken ihr Blatt: „Das könnte ein Mann sein.“ Das Malen entspanne sie, lenkte dunkle Gedanken ab. „Es hilft. Ich bin froh, dass ich das machen kann.“
Viel Zeit lässt sich ein junger „Pflanzenmaler“: Fünf Bilder hat er in zwei Jahren mit genauem Blick fürs Detail gezeichnet. Nun kreiert er mit dem Bleistift vorsichtig die Konturen einer Orchidee, greift immer wieder in das Etui mit penibel gespitzten Stiften. Das Arbeiten in Gemeinschaft, am „Wohlfühlort“, sei ihm wichtig, sagt er. „Zu Hause habe ich keinen Kopf dafür.“ Das Bild solle verkauft werden, „und mit dem Erlös gehen wir essen“.
#Bildhafte Träume für eine gute Zukunft
Das Malen in leuchtenden Farben hilft einer ehemaligen Geigerin, schwere Schicksalsschläge zu verarbeiten. Ihr Mann sei gestorben, die Tochter schwer erkrankt, erzählt sie. Drei Wochen hat sie an dem Bild gemalt, das eine schlanke Frau im Glitzerkleid zeigt. Auf einem blumengesäumten Weg geht diese einem offenen, blauen Himmel entgegen. „Ist es gut geworden?“, fragt sie traurig. „Es ist die reine Fantasie, dass es weitergeht.“