Eine ZDF-Dokumentation bricht eine Lanze für das Ehrenamt. Sie verdeutlicht an drei Beispielen, was die freiwillige und unentgeltliche Tätigkeit fürs Allgemeinwohl den Ehrenamtlichen bringt.
In Deutschland ist das Ehrenamt zum Glück tief verwurzelt und zeigt sich in vielfältigen Facetten – in Rettungsdienst und Katastrophenschutz wie auch im Sport und im menschlichen Miteinander. Diese freiwillige und unentgeltliche Tätigkeit, die dem Allgemeinwohl dient, wird in der Dokumentation “Ehrenamt – unersetzlich, unbezahlbar” aus der ZDF-Reihe “37 Grad” behandelt. Am Beispiel von drei Menschen zeigt der Film am 2. Dezember um 22.15 Uhr, wie unterschiedlich bürgerschaftliches Engagement heute gelebt wird. Die Doku verdeutlicht kurz vor dem Tag des Ehrenamts am 5. Dezember, wie Ehrenämter die Gesellschaft und nicht zuletzt die Menschen verändern, die eines ausüben.
Bundesweit engagieren Leute sich in Vereinen, sozialen Diensten, bei der Kirche oder anderen Organisationen, um anderen zu helfen. Dem Kasseler Filmemacher Johannes Meier war von vornherein klar, dass diese Bandbreite schwer darzustellen ist. Deshalb hat er eine typologische Herangehensweise gewählt, wollte für seinen Film herausfinden, was Menschen antreibt, sich ehrenamtlich zu engagieren. Drei Grundformen haben sich nach der Recherche gefunden – und jeder Mensch im Film steht für eine.
Tim ist 20 Jahre alt und fällt in die Kategorie “Ehrenamt total”, weil für ihn freiwilliges Tun eine Lebenshaltung ist. Als ehrenamtlicher Ortsbürgermeister seines Heimatdorfs Eckenroth in Rheinland-Pfalz steht er mit Herzblut an der Spitze einer 200-Seelen-Gemeinde. Tim studiert Sport- und Bewegungstherapie, engagiert sich auch bei der Freiwilligen Feuerwehr und erklärt im Film: “Ich bin ein Junge vom Dorf. Ich kenne das gar nicht anders.”
Der zweiten Kategorie, “Ehrenamt spezial”, gibt Matthias ein Gesicht, der mit Fachwissen in Spezialbereichen hilft. Ehrenamtlich ist Matthias Vormann auf einem Seenotrettungsboot am Eider-Sperrwerk in Schleswig-Holstein tätig, engagiert sich bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Sonst leitet Matthias die Gemeinschaftsschule Heide-Ost und lebt mit seiner Frau und vier Kindern an der Nordseeküste im Kreis Dithmarschen. Auch seine Tochter Smilla (16) lässt sich zur Seenotretterin ausbilden. Neben der Schule, dem Nebenjob im Teeladen und dem Volleyballtraining ist es ihr wichtig, sich für andere einzusetzen.
“Ehrenamt manchmal” ist die dritte Kategorie im Film. Für Menschen, die sich zeitweise oder themenbezogen einsetzen, weil etwas sie gerade persönlich betrifft, steht Katrin vom Aktionsbündnis “Kidical Mass”: Das steht für “Kinder aufs Rad” und organisiert bundesweit sichere Fahrradwege für Kinder. Die Projektmanagerin bei einem Pharmaunternehmen lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Grundschulalter in Frankfurt-Preungesheim. Katrin engagiert sich punktuell und projektbezogen ehrenamtlich, klebt Plakate, bereitet Fähnchen vor – und sagt: “Solange meine Kinder noch mit dem Rad fahren, bleibe ich dabei. Wenn sie älter werden, schaue ich weiter.”
Das Freiwilligen-Engagement in seiner Vielfalt zeigt “37 Grad: Ehrenamt – unersetzlich, unbezahlbar”. Durch den Film wird auch deutlich, wie Ehrenämter die Gesellschaft und nicht zuletzt die Menschen selbst verändern, die einen Dienst im Sinne der Gemeinschaft ausüben. Filmemacher Meier hat Evangelische Theologie in Marburg, Kiel und Berlin studiert und ist selbst ehrenamtlich engagiert: organisatorisch für ein Musikfestival und im Beirat des kirchlichen Hilfswerks Ausbildungshilfe “Christian Education Fund”.
Seit vier Jahren arbeitet Meier hauptberuflich als Filmemacher mit eigener Filmproduktion im nordhessischen Homberg. Seine erste “37 Grad”-Produktion hat für ihn eine klare Botschaft: “Engagement kostet Kraft, aber es schenkt Sinn.” Das ist vielleicht die einfachste, aber stärkste Erkenntnis aus diesem Film. Oder, wie Smilla es ausdrückt: “Ich mache das alles, weil es Spaß macht.” Im Austausch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) betont Meier: “Das fasst es gut zusammen: Ehrenamt ist kein Opfer – es ist ein Gewinn.”