Mietverzug: So schnell kann eine Kündigung kommen

Schon wenige Mietrückstände können schnell existenzbedrohend werden. Experten warnen: Besonders im Winter steigt die Gefahr von Kündigungen und Zwangsräumungen.
Mietverzug: So schnell kann eine Kündigung kommen
Steigende Nebenkosten und auslaufende Hilfen erhöhen das Risiko von Mietschulden
Imago / Dean Pictures

Es beginnt oft schleichend: eine unerwartete Nachzahlung, ein kalter und damit teurer Winter, ein kaputter Kühlschrank - und plötzlich reicht das Geld nicht mehr für die volle Miete. Was für viele Mieterinnen und Mieter wie ein vorübergehendes Problem aussieht, kann schnell zur existenziellen Bedrohung werden: In Deutschland ist der Weg von den ersten Mietschulden bis zum Verlust der Wohnung erschreckend kurz. Das liegt auch an auslaufenden Hilfsprogrammen.

"Der Großteil aller Wohnungskündigungen ist auf Mietschulden zurückzuführen", sagt Rechtsanwalt Leon Kolz, Partneranwalt bei der Mieterengel GmbH. Besonders im Winter steige die Zahl der Fälle deutlich an - dann, wenn neben der regulären Monatsmiete auch noch Nachforderungen aus der Nebenkostenabrechnung für das Vorjahr fällig werden. "Gerade in diesem Winter, mit dem Wegfall der Gas- und Wärmepreisbremse, rechne ich mit einem weiteren Anstieg - das führt zu erheblichen Mehrkosten, die die Verbraucher tragen müssen", warnt Kolz.

Mietschulden: Wann Vermieter rechtlich eingreifen dürfen

Dabei genügen schon wenige Tage Verzug, um rechtlich in Schwierigkeiten zu geraten. Die Miete muss spätestens am dritten Werktag eines Monats auf dem Konto des Vermieters sein. Geschieht das schuldhaft nicht, kann der Vermieter bereits kündigen. Eine Abmahnung ist nicht nötig. Kommt der Mieter mit zwei Monatsmieten in Rückstand, ist sogar eine fristlose Kündigung möglich. "Das geht schneller, als viele denken", sagt Kolz. Wer also im Dezember und Januar nicht zahlt, kann bereits im Februar mit einer Kündigung rechnen.

Wie schnell die Realität zuschlägt, zeigen auch aktuelle Zahlen: Laut einer Erhebung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe waren zum Stichtag 31. Januar 2025 rund 474.700 Menschen in Deutschland in Notunterkünften oder Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe untergebracht - ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Etwa 37 Prozent der Betroffenen gaben an, ihre Wohnung aufgrund von Mietschulden verloren zu haben. Auch die Zahl der Zwangsräumungen bleibt hoch: 2022 wurden bundesweit 27.319 Wohnungen geräumt - in den meisten Fällen wegen Mietrückständen.

Warum Miete Vorrang vor anderen Ausgaben hat

Kolz erlebt in seiner Praxis täglich, wie schnell Mieter in diese Lage geraten. "Viele Menschen können keine Rücklagen bilden, weil sie mit laufenden Kosten schon völlig ausgelastet sind", erklärt er. "Um nicht in die Schuldenfalle zu rutschen, muss die Miete ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Eine defekte Waschmaschine oder andere Anschaffungen sollten notfalls verschoben werden." Wer dagegen die Miete einmal aussetze, gerate schnell in eine Abwärtsspirale.

Wird tatsächlich gekündigt, droht im schlimmsten Fall die Zwangsräumung. Betroffene können sich dann an das Jobcenter wenden, das im Notfall Mietschulden übernehmen oder eine Ersatzunterkunft vermitteln kann. Doch auch hier zeigen sich die Folgen der zahlreichen Krisen der vergangenen Jahre: Laut Deutschem Institut für Urbanistik fehlen in vielen Städten ausreichend Plätze zur Unterbringung. Die vorhandenen Notunterkünfte seien häufig überfüllt, oft müssten mehrere Personen auf engem Raum zusammenleben. "Für Familien mit Kindern ist das kaum zumutbar", sagt Kolz.

Ratenzahlung und Stundung als Lösung bei Mietschulden

Was bleibt, ist der Appell, frühzeitig zu handeln. Wer merkt, dass die Miete nicht vollständig bezahlt werden kann, sollte sofort das Gespräch mit dem Vermieter suchen und sich an eine Schuldnerberatung oder einen Mieterverein wenden. In vielen Fällen lassen sich Ratenzahlungen oder Stundungen vereinbaren, bevor der Rückstand zu groß wird. Denn sicher ist: Je früher reagiert wird, desto größer sind die Chancen, die Wohnung zu behalten. Anwalt Kolz fasst es in einem Satz zusammen: "Die Miete ist das Letzte, woran man sparen darf - sonst steht schnell auch das eigene Zuhause auf dem Spiel."

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