Immer mehr Bundesbürger erkranken an Diabetes – und immer früher

In Deutschland bekommen immer mehr Menschen Diabetes. Experten schlagen Alarm: Mehr Bewegung, gesündere Ernährung und bessere Aufklärung seien nötig. Gleichzeitig macht moderne Medizintechnik Betroffenen Hoffnung.

Immer mehr Menschen in Deutschland erkranken an Diabetes. Die Erkrankung beginnt zunehmend früher, und die medizinische Versorgung muss sich auf wachsende Herausforderungen einstellen. Das geht aus dem "Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes" hervor, den die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Diabetes-Hilfe am Donnerstag aus Anlass des Weltdiabetestags am Freitag veröffentlicht haben.

Nach aktuellen Schätzungen leben inzwischen rund 9,3 Millionen Menschen in Deutschland mit einem Typ-2-Diabetes. Jährlich kommen etwa 450.000 Neuerkrankungen hinzu. "Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass Prävention und Früherkennung noch stärker in den Mittelpunkt rücken müssen", betont DDG-Präsidentin Julia Szendrödi. "Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Aufklärung sind zentrale Hebel, um diese chronische Erkrankung zu vermeiden, auszubremsen oder Folgeerkrankungen zu verhindern."

Auch der Typ-1-Diabetes nimmt weiter zu: Inzwischen haben 340.000 Erwachsene und 35.000 Kinder und Jugendliche diese autoimmune Stoffwechselerkrankung. Als Ursache dafür wird das Zusammenspiel genetischer, immunologischer und umweltbedingter Faktoren vermutet. Virusinfektionen, Veränderungen der Darmflora und Umweltchemikalien könnten die Autoimmunreaktion begünstigen, die zur Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen führt, heißt es im Bericht. Auch bessere Früherkennung und Screening-Programme trügen dazu bei, dass heute mehr Fälle diagnostiziert würden.

Der Bericht zeigt zudem, dass Menschen mit Diabetes überdurchschnittlich häufig von Herz-, Nieren- und Augenerkrankungen betroffen sind. 16 Prozent aller Todesfälle in Deutschland stünden im Zusammenhang mit Diabetes. Die jährlichen Kosten für Behandlung und Folgeschäden belaufen sich laut Bericht auf rund 36 Milliarden Euro, womit Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 4 liege. "Das ist nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung", sagt Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes-Hilfe. "Prävention wirkt - und sie ist der wirtschaftlichste Weg, um die Krankheitslast zu verringern."

Die beiden Fachorganisationen weisen darauf hin, dass Fortschritte in der Medizintechnik die Lebensqualität vieler Betroffener verbesserten. Immer mehr Menschen nutzten Insulinpumpen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung. Parallel entwickele die Forschung neue Ansätze, um die Insulinproduktion im Körper langfristig zu erhalten oder sogar wiederherzustellen. "Diese Innovationen machen Hoffnung, dass wir Diabetes künftig besser kontrollieren oder eines Tages vielleicht sogar heilen können", so Szendrödi.

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