Im “Kreuzberger Himmel” kochen Geflüchtete für Obdachlose

Früher bayerische Hausmannskost, heute arabische Küche: Das einst von einer Kirchengemeinde betriebene Restaurant “Kreuzberger Himmel” gehört heute einer Hilfsorganisation, die sich um Geflüchtete und Obdachlose kümmert.
Im “Kreuzberger Himmel” kochen Geflüchtete für Obdachlose
Im „Kreuzberger Himmel“ arbeiten Geflüchtete für einen guten Zweck und unterstützen zugleich Menschen in Not
epd-bild/Matthias Kindler

„Wir machen keinen Unterschied zwischen einem Gast im Restaurant und einem Obdachlosen“, sagt Andreas Tölke. Der frühere Journalist sitzt im Berliner Restaurant „Kreuzberger Himmel“, ein Integrationsprojekt für Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern.

Die Menü-Karte verspricht arabische Spezialitäten und „den Himmel auf Erden“. Das Besondere: Hier wird nicht nur für zahlende Gäste gekocht. Die Geflüchteten sorgen regelmäßig auch für Obdachlose.

"Kreuzberger Himmel" verbindet Hilfe und Hoffnung

„Für uns ist die Selbstermächtigung von Migranten sehr wichtig“, sagt Tölke. Der 65-Jährige ist seit 2015 in der Flüchtlingshilfe aktiv. In seiner Wohnung übernachteten damals viele Geflüchtete und er vermittelte noch mehr weiter. Er ist im Vorstand der Hilfsorganisation „Be an Angel“. Auf Deutsch bedeutet das: „Sei ein Engel.“ Seit 2018 betreibt der Verein den „Kreuzberger Himmel“.

Dass hier „Engel“ auf „Himmel“ treffen, ist dabei Zufall. Schon zuvor hatte die katholische Gemeinde der angrenzenden Sankt Bonifatius-Kirche den „Kreuzberger Himmel“ betrieben. Heute sind die Räume an „Be an Angel“ verpachtet. Mit den Einnahmen aus dem Restaurant finanziert der Verein Hilfsaktionen, etwa Evakuierungen in der Ukraine oder Nothilfen für Syrien und Afghanistan.

Team im "Kreuzberger Himmel" startet früh in den Arbeitstag

Noch ist es ruhig im „Kreuzberger Himmel“, die ersten Gäste kommen erst in einigen Stunden, ab 16 Uhr. Dennoch herrscht in der Küche schon Betrieb. Bakri wendet mit einem großen Löffel noch einmal das Gemüse auf dem Blech und schiebt es dann in den Ofen. Ein weiteres Ofen-Blech mit Hühner-Geschnetzeltem steht bereit. Dazu gibt es Reis.

Das Berliner Restaurant "Kreuzberger Himmel" vereint Integration, Solidarität und Genuss (epd-bild/Matthias Kindler)

„Wir haben als Geflüchtete etwas bekommen, jetzt können wir etwas zurückgeben“, sagt Bakri. „Das ist eine sehr gute Sache.“ Der 46-Jährige war einst Rechtsanwalt im syrischen Aleppo. Er kam 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Im „Kreuzberger Himmel“ fing Bakri 2018 an. Heute ist er dort Geschäftsführer.

Trotzdem legt er noch selbst Hand an, wenn nötig. Sein Küchenchef kommt heute später. In einer Stunde sollen 100 Mittagessen an den Obdachlosen-Treff „Gitschiner 15“ geliefert werden. Jeden Donnerstag, davon 30 Prozent vegan. Möglich macht das eine monatliche Privatspende von 4.500 Euro an den Trägerverein „Be an Angel“.

Engagement im "Kreuzberger Himmel" mit höchste Anerkennung

„Wir wollen die Menschen mit Fluchterfahrung fit machen für den Arbeitsmarkt“, sagt Tölke. Für sein Engagement erhielt er im Dezember 2021 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz. Es hängt heute im Restaurant neben Fotos von Prominenten und Hilfseinsätzen. Denn schon während des Lockdowns in der Corona-Pandemie hat die Restaurant-Crew regelmäßig hunderte Lunchpakete für Bedürftige gepackt, erinnert sich Bakri.

Nach der Corona-Pandemie geht es heute dem „Kreuzberger Himmel“ wie vielen anderen Restaurants und Kneipen in der Stadt - mehr Publikum wäre schön: „Wir hätten gerne einen bumsvollen Laden mit gut gelaunten Gästen“, sagt Tölke. Denn jeder Gast finanziere damit automatisch auch Essen für Obdachlose und die Hilfseinsätze von „Be an Angel“.

Geschäftsführer Bakri mit Speisebehälter aus dem Berliner Restaurant "Kreuzberger Himmel" (epd-bild/Matthias Kindler)

Ein weiteres Standbein ist deshalb das Catering. Auch „Live-cooking“ kann gebucht werden: „Alles geht: vegan, vegetarisch oder mit allem“, heißt es auf einem Flyer.

"Kreuzberger Himmel": Hilfe reicht bis in die Ukraine

Nach dem Treffen im „Kreuzberger Himmel“ macht sich Tölke auf den Weg in die Ukraine. Tage später meldet er sich per Zoom aus dem Kriegsgebiet im ostukrainischen Cherson. Hier, direkt an der Front, unterstützt „Be an Angel“ ein Projekt für Kinder: unter einem Theater, im Keller, haben die Jüngsten einen Platz zum Spielen, Lachen, Proben. „Für einen Moment weg vom Kriegsalltag“, schreibt Tölke dazu: „Wir unterstützen diese Einrichtung, weil sie etwas ermöglicht, das unmöglich geworden ist: Kindheit.“ 

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