Der Holocaust-Überlebende Leon Weintraub und die Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden in diesem Jahr mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet. Sie erhalten die Auszeichnung am 7. März bei einem Festakt im Deutschen Theater Göttingen, wie die Stifter des Preises am Sonntag mitteilten. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird jährlich seit 1999 vergeben.
„Beiden Preisträgern geht es vor allem darum, jungen Menschen die Gefahren von Rassismus und Antisemitismus vor Augen zu führen“, sagte der Vorsitzende der Preisjury, Michael Brzoska. „Die Absicht ist ihnen gemeinsam: Toleranz, Mitmenschlichkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Werte zu stärken, alles Grundlagen für nachhaltigen Frieden.“
Leon Weintraub, der am 1. Januar seinen 100. Geburtstag feierte, überlebte das Ghetto Litzmannstadt südwestlich von Warschau und mehrere Konzentrationslager. Nach Angaben der Stiftung setzt sich Weintraub seit mehr als 30 Jahren unter anderem mit Vorträgen und Publikationen gegen das Vergessen des Holocausts ein. Im Göttinger Wallstein Verlag erschienen 2022 seine Memoiren unter dem Titel „Die Versöhnung mit dem Bösen. Die Geschichte eines Weiterlebens“.
Das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ entstand 1988 in Belgien, seit 1995 existiert es auch in Deutschland. Das Netzwerk zielt darauf ab, ein respektvolles und tolerantes Miteinander zu fördern. Schulen, die den Titel tragen möchten, verpflichten sich, aktiv gegen Rassismus, Mobbing und jede Form von Diskriminierung einzutreten.
Stifter des Friedenspreises war der 1997 verstorbene Göttinger Wissenschaftsjournalist Roland Röhl. Der promovierte Chemiker befasste sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung.