Historiker Wirsching warnt Unternehmen vor Annäherung an AfD

Ein Parlamentarischer Abend des Verbands der Familienunternehmer schlägt Wellen. Grund: eine Einladung an die AfD.

Der Historiker Andreas Wirsching warnt deutsche Unternehmen vor eine Annäherung an die AfD. Als grundfalsch bezeichnete er in einem Spiegel-Interview, dass der Verband der Familienunternehmer die Partei zu einem Treffen eingeladen hatte. "Ich glaube, dass wir uns derzeit in einer Kampfposition befinden", sagte der renommierte Wissenschaftler und ehemalige Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin. "Es geht darum, die deutsche Demokratie zu bewahren. Insofern ist dieser AfD-Vorstoß ein Spiel mit dem Feuer. Ein gefährlicher Tabubruch, den es in meiner Wahrnehmung so noch nicht gegeben hat", so Wirsching.

Fachlich sei bei der AfD nichts zu holen, fügte Wirsching hinzu: "Die AfD verfügt noch nicht mal über ein richtiges Wirtschaftsprogramm. Wie auf allen anderen Gebieten ist sie auch hier schlicht systemoppositionell. Sie will tendenziell aus dem Euro raus, sie stellt die Europäische Union infrage, das ist für jedes Unternehmen in Deutschland kontraproduktiv."

In der deutschen Wirtschaft herrsche derzeit eine massive Unzufriedenheit mit der ökonomischen Lage sowie der Politik der Bundesregierung, erläuterte der Historiker. "Die Versuchung ist da, in dieser akuten Krisensituation zu sagen: Dieses ganze politische Gerede ist kontraproduktiv, wir brauchen jetzt eine klare Linie, dieses komplizierte, parlamentarisch getragene System entspricht nicht unseren Interessen." Verstärke sich diese Einstellung, begännen manche Teile der Wirtschaft, sich für Alternativen zu interessieren. "Aus der Geschichte ist bekannt, wohin das führt."

Wirsching sprach von einer ethisch-moralischen und politischen Frage von großer Bedeutung, "wie weit ich mich einlasse mit einer unverkennbar antidemokratischen Partei". Als Historiker könne er niemandem den Rat geben, sich mit solchen Kräften gemeinzumachen. "So mühsam die Demokratie mitunter zu sein scheint: À la longue ist ein freiheitliches System für die Wirtschaft immer risikoärmer – und ertragreicher."

Im Oktober hattte der Verband der Familienunternehmer laut eigenen Angaben alle Parteien, die im Bundestag vertreten sind, zu einem Parlamentarischen Abend eingeladen, darunter auch die Linke und die AfD. "Wir halten es für wichtig, dass man sich mit den Inhalten der Parteien auseinandersetzt, und bei dieser Veranstaltung konnten sich Politiker und Unternehmer austauschen", heißt es auf der Homepage des Verbandes. "Ein Politiker der AfD ist gekommen, von den Linken aber niemand. Wir haben den Politikern keinerlei Bühne gegeben. Sie haben keinerlei Reden gehalten."

Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann erklärte: "Das Weltbild der AfD passt nicht zu unserer freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Grundüberzeugung, weshalb wir Familienunternehmer die inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD nicht scheuen." Unterdessen hält die Kritik an dem Umgang des Verbandes mit der AfD an.

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