Der Historiker Valentin Groebner hat davor gewarnt, schuldbewusst über Fremdenverkehr zu diskutieren. „Tourismus ist schon seit über 150 Jahren die Industrie des schlechten Gewissens“, sagte der Luzerner Universitätsprofessor dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bereits vor dem Wissen um den Klimawandel, seit dem Beginn von Industrialisierung und Massenkultur, fragten sich Vergnügungsreisende, ob sie nicht etwas besichtigen, das sie gerade selbst ruinieren.
Groebner hat für sein in diesem Sommer erschienenes Buch „Abgefahren. Reisen zum Vergnügen“ Sri Lanka, den Alpenraum und Frankreich bereist, um sich zu einer Geschichte der Gefühle und Bilder des Reisens anregen zu lassen. Zugleich wies Groebner auf Zahlen der World Tourism Organization der UNO hin, wonach der Tourismus-Sektor im Jahr 2030 ein Viertel aller menschengemachten CO2-Emissionen erzeugen werde. „Mittlerweise reisen wieder mehr Menschen als je zuvor, und die prognostizierten Wachstumsraten sind unglaublich.“
Der Historiker hinterfragt geläufige Annahmen zum Reisen, etwa die Vorstellung, das Reisen sei meist ein Ausdruck von Neugier: „Im Urlaub besuchen wir die Orte, von denen wir schon Bilder anderer gesehen haben. Und machen dort neue, mit uns selbst darauf: ein Kokon aus Pixeln.“ In Bildern und in den Empfindungen, die diese in uns auslösen, findet der Historiker einen Zugang, um die modernen Reisegewohnheiten zu entziffern. „Der moderne Tourismus ist so alt wie die Fotografie, und er ist von Anfang an von Bildern angetrieben und popularisiert worden.“