Einen Monat nach der Machtübernahme in der Stadt El Fasher im Sudan durch die paramilitärischen Rapid Support Forces bleibt die Situation Zehntausender Menschen katastrophal. Es gebe weiterhin keinen Zugang zu den Betroffenen, sagte Katharina Weizsäcker, Gynäkologin bei der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Auch fehle es an verlässlichen Informationen zur Situation.
Als dramatisch bezeichnete die Ärztin auch die Lage in der rund 70 Kilometer entfernten Stadt Tawila, zentrale Anlaufstelle für Hunderttausende Geflüchtete. Wasser, Nahrungsmittel, Unterkünfte und sowie medizinische Versorgung fehlten. Beispielsweise müssten Frauen ohne medizinische Versorgung gebären. “Dabei kommen viele schon entkräftet dort an.”
Sudan-Krieg: Hohe Dunkelziffer zeigt Ausmaß der Gewalt im Alltag
Weizsäcker, die im Mai selbst drei Wochen in Tawila war, bezeichnete auch sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen als massives Problem. Anlaufstellen fehlten, die Dunkelziffer sei hoch, sagte sie. Frauen und Mädchen könnten sich nur bedingt schützen, etwa wenn sie in größeren Gruppen flüchteten oder eine Mitfahrt in einem Lastwagen gelinge. Außerdem stünden sie bewaffneten Tätern gegenüber. Weizsäcker kritisierte: “Es gibt kein Bemühen, dem Einhalt zu gebieten.”
Als bemerkenswert bezeichnete die Medizinerin eine große Solidarität unter der Bevölkerung. “Die Menschen haben einen großen Sinn für Gemeinschaft und einen sehr starken Willen.” So würden aus El Fasher geflüchtete Ärzte nun in Tawila Menschen versorgen. Das müssten auch Organisationen berücksichtigen und lokalen Mitarbeitern eine zentrale Rolle einräumen.
Sudan-Krieg treibt Millionen Menschen in die Flucht
Im Sudan kämpfen seit April 2023 die Rapid Support Forces (RSF) gegen die sudanesische Armee. In dem Krieg sind Schätzungen zufolge mindestens 150.000 Menschen ums Leben gekommen. Nach UN-Angaben sind mittlerweile mehr als 16 Millionen Sudanesinnen und Sudanesen im In- und Ausland auf der Flucht. Nach der Machtübernahme von El Fasher, Hauptstadt der Region Nord-Darfur, ist es in den vergangenen Tagen zunehmend zu Kämpfen in der Region Kordofan gekommen. Sie liegt zwischen Darfur im Westen und der sudanesischen Hauptstadt Khartum.
