Mit dem Tod des früheren US-Außenministers Henry Kissinger ist nach den Worten der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, „ein Stück der bayerisch-jüdischen Geschichte verloren gegangen“. Kissinger, der in Fürth zur Welt kam und seiner Heimat treu geblieben sei, habe mit seiner Person für eine jüdische Präsenz in Stadt und Region gestanden, „wie es sie nach 1945 für viele Jahre und Jahrzehnte nicht mehr gab“, sagte Knobloch am Donnerstag in ihrem Nachruf. Kissinger war am Mittwoch (Ortszeit) im Alter von 100 Jahren in Connecticut gestorben. „Henry Kissinger war eine Ikone der Zeitgeschichte“, so Knobloch.
Um ihren Ehrenbürger trauert die Stadt Fürth. Auch Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) erinnerte in einer Mitteilung daran, dass Kissinger trotz erlittenen Leids durch das Nazi-Regime seiner Heimat Fürth lebenslang verbunden geblieben war. „Trotz des Verlusts seiner Heimat in jungen Jahren, hegte er keinerlei Vergeltungsgedanken, sondern begegnete den Menschen in Fürth und Deutschland mit Offenheit und ehrlichem Interesse“, sagte Jung.
Kissinger sei an der Entwicklung der Stadt genauso interessiert gewesen wie an der Entwicklung seines Lieblings-Fußballvereins, der Spielvereinigung Greuther Fürth. Fürth zeichnete den Friedensnobelpreisträger und ehemaligen US-Außenminister 1973 mit der Goldenen Bürgermedaille und 1998 mit der Ehrenbürgerwürde aus. Die Stadt Fürth verliere eine Jahrhundertpersönlichkeit, einen Staatsmann und Weltpolitiker, der die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich mitgeprägt habe. „Einen Fürther, wie es ihn so schnell nicht mehr geben wird“.
Jung blickte auch auf den letzten Besuchs Kissinger anlässlich seines 100. Geburtstag in diesem Sommer in seiner Geburtsstadt zurück. Im Fürther Rathaus soll ab Montag (4. Dezember) ein Kondolenzbuch ausliegen. (00/3913/30.11.2023)