Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Ein Ordensmann aus dem Emsland übernimmt den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz. Bischof Wilmer gilt als Brückenbauer zwischen Reformern und Konservativen – mit internationaler Erfahrung.
Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz
epd-bild/Daniel Peter

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer (64) gab sich ganz bescheiden, als er sich in Würzburg bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Öffentlichkeit als neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz präsentierte. In der norddeutsch geprägten Region um Hildesheim seien die Katholiken in der Minderheit, zudem stammten 40 Prozent der dortigen Katholiken aus dem Ausland, man sei dort multikulturell und sehr international, sagte er. Im Zentrum aller Arbeit stehe die Verkündigung des Evangeliums. „Und wir machen das mit Frische und mit Schmackes und gehen dabei manchmal übern Deich mit ner steifen Brise im Haar“, fügte Wilmer mit norddeutschem Zungenschlag hinzu. Anderen habe man aber nichts voraus.

Minderheiten-Kirche, migrantisch geprägt und mulitkulti – es könnte das Bild einer Kirche der Zukunft sein in einer Gesellschaft, in der evangelische und katholische Christen zur Minderheit geworden sind in den vergangenen Jahren.

Heiner Wilmer ist seit 2018 Bischof in Hildesheim

Wilmer, der auf einem Bauernhof im niedersächsischen Emsland aufwuchs, ist seit 2018 Bischof vom Bistum Hildesheim und wechselte zuvor oft seinen Wohnort: In Freiburg und Rom studierte er Theologie und Philosophie und wurde 1987 zum Priester geweiht. Nach einem weiteren Studium der Geschichte auf Lehramt absolvierte er sein Referendariat an einem Gymnasium in Meppen und unterrichtete an einer katholischen Mädchenschule in Vechta.

Auf der Suche nach einer „richtigen Herausforderung“ bewarb er sich an einer Schule im New Yorker Stadtteil Bronx, einem Stadtteil, der für soziale Probleme bekannt ist. Dort unterrichtete er ab 1997 ein Jahr lang an einer Highschool der Jesuiten.

In Rom bei den Herz-Jesu-Priestern

Anschließend wurde er im niedersächsischen Emsland Schulleiter. Sein Leitspruch: „Allein bin ich vielleicht schnell, aber gemeinsam kommen wir weiter und sind entspannter.“ Schließlich führte seine berufliche Laufbahn den Theologen nach Rom, wo er Generaloberer der Herz-Jesu-Priester wurde, einer Gemeinschaft mit weltweit rund 2.200 Mitgliedern.

Als Oberhaupt von mehr als 500.000 Katholiken im Bistum Hildesheim bringt Wilmer sich häufig in gesellschaftliche Debatten ein. Zur Diskussion über den Sozialstaat rief er kürzlich zu mehr Sachlichkeit auf. Eine „aufgeheizte und gereizte Diskussion“, wie sie zuletzt etwa beim Thema Rente geführt worden sei, könne Ängste schüren und unerfüllbare Erwartungen wecken. Wilmer ist Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Bischofskonferenz.
Wertschätzung empfindet er auch für den evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945). Die Aufgabe der Kirche sei es, sich zum Anwalt der Kleinen und Schwachen zu machen, lautet Wilmers Überzeugung.

Wilmer geht Thema Missbrauch offensiv an

Das Thema Missbrauch geht Wilmer offensiv an. Im Jahr 2022 forderte er, dass der Staat eine größere Rolle bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in seiner Kirche übernehmen solle. Wenn die Staatsanwaltschaften noch stärker als jetzt die Initiative dazu übernehmen wollten, sei er sofort dazu bereit, sagte Wilmer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wichtig für eine Aufarbeitung sei grundsätzlich, dass externe Fachleute beauftragt werden und diese wirklich freien Zugang zu allen Akten haben. „Es kann nicht sein, dass die Kirche angesichts von Verbrechen eine Binnenstruktur aufrechterhält. Die Zeit, in der die Kirche ein geschlossenes System war, ist definitiv vorbei.“

Im März 2025 startete das Bistum Hildesheim eine dritte größere Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Diözese, in der auch die Amtszeit von Wilmer analysiert werden soll. „Die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim hat für mich weiterhin allerhöchste Priorität“, sagte Wilmer zum Start.

Es sei ihm ein Herzensanliegen, die Begeisterung und Faszination für Jesus weiterzugeben, erklärte Wilmer bereits vor seinem Amtsantritt als Bischof. Am Dienstag sagte er zum Abschluss seiner ersten Stellungnahme als Vorsitzender: „Ehre sei Gott in der Höhe, Friede den Menschen seiner Gnade - diese beiden Sätze sind mein Kompass: Gott Raum geben und gemeinsam am Frieden bauen.“

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