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Hannah Arendt in Zitaten und Selbstzeugnissen

Eine Auswahl von Zitaten der politischen Theoretikerin Hannah Arendt (1906-1975):

* DENKEN UND VERSTEHEN: „Die Aufgabe, die mich in Anspruch nimmt, lautet ganz einfach: die Welt und die Menschen zu verstehen.“ (Gespräch mit dem Journalisten Joachim Fest)

* ZUR EIGENEN WIRKUNG: „Ich selber wirken? Nein, ich will verstehen. Und wenn andere Menschen verstehen – im selben Sinne, wie ich verstanden habe -, dann gibt mir das eine Befriedigung wie ein Heimatgefühl.“ (TV-Gespräch mit dem Journalisten Günter Gaus)

* POLITIK UND PHILOSOPHIE: „Mein Beruf ist … politische Theorie. Ich fühle mich keineswegs als Philosophin. (…) Ich will Politik sehen mit, gewissermaßen, von der Philosophie ungetrübten Augen.“ (TV-Gespräch mit Günter Gaus)

* KONZENTRATIONSLAGER: „Die Hölle im wahrsten Sinne des Wortes verkörperten die von den Nazis perfektionierten Lagertypen, in denen das gesamte Leben gründlich und systematisch im Hinblick auf die größtmögliche Qual hin organisiert wurde.“ (Aus ihrem Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“)

* TOTALITARISMUS: „Das deutsche Beispiel zeigt, dass Hilfe von außen wahrscheinlich keine einheimischen Selbstheilungskräfte freisetzt und dass totalitäre Herrschaft mehr ist als bloß die schlimmste Form von Tyrannei. Der Totalitarismus vergiftet die Gesellschaft bis ins Mark.“ (Aus ihrem Buch „Besuch in Deutschland“)

* UMGANG MIT DER NS-VERGANGENHEIT: „Der Durchschnittsdeutsche sucht die Ursachen des letzten Krieges nicht in den Taten des Naziregimes, sondern in den Ereignissen, die zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies geführt haben.“ (Aus ihrem Buch „Besuch in Deutschland“)

* EICHMANN: „Es ist ein neuer Verbrechertyp. (…) Wir stellen uns doch unter einem Verbrecher jemanden mit verbrecherischen Motiven vor. Und wenn wir uns Eichmann begucken, dann hat er verbrecherische Motive eigentlich überhaupt nicht. (…) Er wollte mitmachen. Er wollte Wir sagen, und dies Mitmachen und dies Wir-Sagen-Wollen war ja ganz genug, um die allergrößten Verbrechen möglich zu machen. (…) Er war der typische Funktionär. (…) Die Ideologie, glaube ich, hat keine sehr große Rolle dabei gespielt.“ (Gespräch mit Joachim Fest)

* FREUNDESLIEBE: „Erstens habe ich nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv ‘geliebt’, weder das deutsche noch das französische, noch das amerikanische, noch etwa die Arbeiterklasse (…). Ich liebe in der Tat nur meine Freunde und ich bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig. Zweitens aber wäre mir diese Liebe zu den Juden, da ich selbst jüdisch bin, suspekt.“ (Brief an den Religionshistoriker Gershom Scholem)