Bestatterinnen und Steinmetze sehen einen Wandel in der Bestattungskultur und fordern Anpassungen. Kommunen und Städte müssten „zeitgemäße Lösungen“ für die Bürgerinnen und Bürger schaffen, sagte der Präsident der Düsseldorfer Handwerkskammer, Andreas Ehlert, am Donnerstag in Düsseldorf. Wenn keine attraktiven, pflegefreien und bezahlbaren Grabformen angeboten würden, würden die Menschen alternative Bestattungsmöglichkeiten außerhalb der Friedhöfe suchen. Das „gefährdet die Friedhofskultur und die Würde des Abschieds“, mahnte Ehlert bei einem Treffen mit Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne).
Bestattungsmeisterin Stefanie Kramp-Knorren sprach sich dafür aus, den Friedhof „moderner, naturnaher und auch grüner zu machen.“ Dabei gehe es auch um eine „Liberalisierung der bislang oft starren Vorgaben für die Grablege,“ erklärte die Steinbildhauer-Meisterin Anna Staudt. So sollten auf den Begräbnisstätten künftig etwa Grabfelder mit pflegefreien Sarg- und Urnengräbern erlaubt sein, die dennoch eine individuelle Kennzeichnung durch einen Grabstein ermöglichten.
Die Handwerkskammer beobachtet einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel in der Trauerkultur. Im christlich geprägten Kulturkreis würden vor allem Einäscherungen zunehmen. Zudem gebe es bei allen rituellen Formen des Totengedenkens eine Öffnung infolge der gewachsenen gesellschaftlichen Vielfalt. Die Nachfrage nach Grabmalen und Familiengräbern gehe zurück. Gestiegene Bestattungskosten verstärkten den Trend.
Ministerin Neubaur betonte, man müsse die Friedhöfe beibehalten. Die Friedhofskultur sei etwas Besonderes und habe auch mit der christlich geprägten Gesellschaft zu tun. Das Steinmetzhandwerk und das Bestattungsgewerbe leisteten einen unverzichtbaren Beitrag dafür. „Entscheidend ist, Tradition und Innovation so miteinander zu verbinden, dass Erinnerungskultur lebendig bleibt und Raum für neue Formen des Gedenkens entsteht“, sagte Neubaur.