Hamburgs und Niedersachsens Grundschülerinnen und Grundschüler sollen ihre Handys künftig nicht mehr in der Schule benutzen. Eine entsprechende Handreichung stellten Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) und die Hamburger Kultursenatorin Ksenija Bekeris (SPD) am Donnerstag in Hannover vor. „Handys haben in den Grundschulen keinen Platz“, sagte Hamburg. Bekeris fügte hinzu, dennoch müssten Schulen Schülerinnen und Schüler medienkompetent machen: „Medienkompetenz hat in allen Schulfächern stattzufinden. Das wollen wir auch gar nicht wegdiskutieren.“
Zudem enthält die Handreichung Empfehlungen für die weiterführenden Schulen. Dort soll sich die Nutzung digitaler Geräte am Alter der jeweiligen Kinder und Jugendlichen orientieren. Zu den beabsichtigten Maßnahmen gehören etwa Handyzeiten und -zonen in der Schule. Jede Schule soll sich laut der Ministerinnen zwar mit den Empfehlungen beschäftigen, darf aber gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrkräften eigene Regeln festlegen.
„Kein Kind braucht im Grundschulalter ein Smartphone – aber jede Schülerin und jeder Schüler braucht Orientierung und Unterstützung im Umgang mit digitalen und sozialen Medien“, erklärte Bekeris. „Denn Kinder in der Grundschule verfügen in der Regel noch nicht über die notwendige Fähigkeit zur Selbstregulation, um digitale Geräte verantwortungsvoll und geschützt zu nutzen.“
Mit Blick auf weiterführende Schulen sagte Bekeris: “Schulen müssen Orte sein, an denen junge Menschen lernen, mit digitalen Medien reflektiert und sicher umzugehen – nicht Orte, die den Zugang pauschal verwehren
Nils Hansen, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Hamburg, sprach von einem „klaren Auftrag“ und „passenden Leitplanken“, die Schulen an die Hand bekämen. Michael Gwosdz, Vorsitzender der Grünen-Fraktion Hamburg, sagte, die Handreichung biete Hilfen „für eine gute Balance zwischen analogem und digitalem Lernen“. Kritik kam von Birgit Stöver, bildungspolitische Sprecherin der Hamburger CDU-Fraktion: „Eine Handlungsempfehlung für die Schulen bleibt am Ende eben nur eine Empfehlung und keine Sicherheit.“ Viele Lehrkräfte und Schulen erwarteten aber „genau diese Rechtssicherheit“.
Die Bundessprecherin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Tanja Brunner, sagte, sie halte die Empfehlungen für richtig und überfällig: „Wir sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen immer mehr Entwicklungsstörungen und Medienkonsum.“ Zugleich müssten beide Länder auch auf frühkindliche Bildung setzen: „Medienkompetenz entwickeln Kinder bereits im Kindergarten.“
Den Angaben zufolge verfügen die meisten Schulen in ihren Ländern bereits über Regeln zur Handynutzung, haben sich aber politische Handreichungen gewünscht. Die Ministerien hatten ihre Empfehlungen in den vergangenen Wochen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Fachleuten entwickelt.