Die Hamas hat kein Interesse an Verhandlungen mit Israel, solange dieses seine Blockaden und Angriffe auf Gaza fortsetzt. Israel bestätigt unterdessen Pläne für eine Zwangsumsiedlung der Bevölkerung des Küstenstreifens.
Die Hamas hat mehr internationalen Druck auf Israels Regierung zur Beendigung des “Hungerkriegs” gegen Gaza gefordert. “Es ist sinnlos, Gespräche zu führen oder über einen neuen Waffenstillstand nachzudenken, solange der Hunger- und Vernichtungskrieg im Gazastreifen weitergeht”, sagte der ranghohe Hamasvertreter Basem Naim am Dienstag laut israelischen Medienberichten mit Bezug auf Agenturquellen.
Bereits am Montagabend hatte ein weiterer Hamasvertreter gegenüber dem libanesischen Sender “Al Mayadeen” erklärt, dass das anhaltende Töten und Aushungern des Gazastreifens bewiesen, dass Israel nicht ernsthaft an Verhandlungen über einen Waffenstillstand interessiert sei. Das letzte israelische Angebot lehne man ab, weil es weiterhin nicht das vollständige Ende des seit dem Hamasangriff vom 7. Oktober 2023 anhaltenden Krieg vorsehe.
Unterdessen haben sich laut Bericht der Zeitung “Times of Israel” (Dienstag) zwei Hamas-Aktivisten in Rafah im Süden des Gazastreifens der israelischen Armee ergeben, darunter ein Kommandeur einer Hamas-Scharfschützeneinheit. Beide sollen während ihres Verhörs durch den israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet wichtige Informationen “über den Standort einer bedeutenden Terrorinfrastruktur in der Gegend” gegeben haben.
Am Montagabend hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zuvor von Regierungskreisen kolportierte Berichte über eine geplante Zwangsumsiedlung weiter Teile der palästinensischen Bevölkerung des Gazastreifens sowie einer Besatzung von militärisch eroberten Gebieten bestätigt. Die Bewohner Gazas würden umgesiedelt werden, “um sie zu schützen”, sagte Netanjahu in einem auf Sozialen Medien verbreiteten Video. Die Armee werde “nicht einmarschieren und sich dann zurückziehen, (…) das Ziel ist das Gegenteil”.
Ähnlich äußerte sich auch der Sprecher der israelischen Armee, Effie Defrin. Trotz der israelischen Erfolge im Gazastreifen bleibe die Hamas “hartnäckig in ihrer Position”. Entsprechend werde man zu einer “neuen und intensiveren Phase der Operation in Gaza” übergehen, deren miteinander verwobenen Ziele “die Rückkehr unserer Geiseln sowie die Zerschlagung und entscheidende Niederlage des Hamas-Regimes” seien. Dabei werde die Mehrheit der Bevölkerung des Gazastreifens umgesiedelt werden, “um sie in einer Hamas-freien Zone zu schützen”.
Damit haben sich die israelische Regierung und Armee erstmals konkret zu Plänen einer Besatzung des Gazastreifens und einer Zwangsumsiedlung der einheimischen Bevölkerung bekannt, die zuvor bereits wiederholt von rechten und rechtsradikalen Politikern gefordert wurde. Seit Kriegsbeginn sind weite Teile der palästinensischen Bevölkerung mehrfach innerhalb des Gazastreifens vertrieben worden.