In Thüringen ist im vergangenen Jahr durchschnittlich alle 75 Minuten ein Mensch Opfer häuslicher Gewalt geworden. Insgesamt registrierte die Landespolizei 7.040 Betroffene von Gewalttaten innerhalb von Familien oder Partnerschaften, wie sie am Montag in Erfurt in einer Sonderauswertung der polizeilichen Kriminalstatistik darlegte. Das entspreche einem Anstieg von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiere einen neuen Höchststand.
Rund zwei Drittel der Betroffenen wurden demnach Opfer von Partnerschaftsgewalt. In der großen Mehrheit der Fälle seien Frauen betroffen gewesen. Innerfamiliäre Gewalt habe etwa ein Drittel der Fälle ausgemacht.
Unter den insgesamt 5.485 erfassten Tatverdächtigen waren laut Statistik überwiegend Männer. In 52,7 Prozent der Fälle ging die Gewalt vom eigenen Partner aus, in 36,8 Prozent von Eltern und in 26,2 Prozent von Kindern. Nahezu jedes zweite Tötungsdelikt im vergangenen Jahr in Thüringen ereignete sich im häuslichen Umfeld. Der Großteil der registrierten Straftaten unter Partnern waren mit fast 70 Prozent Körperverletzungen.
Sexualstraftaten innerhalb der eigenen Familie machen den Angaben zufolge etwa sechs Prozent der innerfamiliären Gewalttaten aus. In Partnerschaften wurden solche Delikte mit rund 2,5 Prozent deutlich seltener gemeldet.
Die Polizei geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl häuslicher Gewalttaten deutlich über den erfassten Fällen liegt. Da die Ermittler in diesem Deliktbereich auf Anzeigen angewiesen sind, bleibe die Dunkelziffer hoch, hieß es.