Die meisten Deutschen sind nicht abergläubisch. Freitag dem 13. hängt trotzdem ein schlechter Ruf an. Was wirklich dahinter steckt.
Für abergläubische Menschen kommt es in diesem Jahr geballt: Gleich dreimal steht ein Freitag, der 13. an: am kommenden Freitag, am 13. März und am 13. November. Wie oft diese Kalender-Konstellation vorkommt, hängt davon ab, mit welchem Wochentag das Jahr beginnt. Meist gibt es einen oder zwei solcher vermeintlichen Unglückstage, in diesem Jahr wird die Höchstzahl erreicht.
Der kommende Freitag ist dabei besonders mit Symbolik aufgeladen: ein Unglückstag mitten in der heißen Phase des Karnevals. Und dann auch noch einen Tag vor dem Valentinstag, der ja das Glück der Liebenden beschwört. Der Interpretationen sind da keine Grenzen gesetzt.
Glück oder Unglück: Viele halten den Wirbel um das Datum für Schmarrn. "Mir egal, dass heute Freitag der 13. ist", lautet ein beliebter Spruch. "Hauptsache, es ist endlich Freitag." Allerdings: Etwa jede dritte Frau und jeder fünfte Mann in Deutschland dürfte einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov zufolge dem Datum eher unentspannt entgegensehen. 39 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer schätzen sich als "abergläubisch" oder "eher abergläubisch" ein. Das hat Folgen: Bei Hotelzimmern fehlt bisweilen die Nummer 13. In Flugzeugen wird die entsprechende Sitzreihe ausgelassen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat 2019 erklärt, es werde kein 13. Buch des Sozialgesetzbuches geben.
Dabei sind die schrecklichen Freitage besser als ihr Ruf: Die Statistiker der R+V Versicherung geben Entwarnung: Freitag der 13. sei nicht gefährlicher als andere Werktage. "Im Gegenteil: Hier treten sogar weniger Schäden auf - sowohl in der Kfz-Versicherung als auch in der Sachversicherung." Kfz-Direktversicherer Verti hat ausgerechnet, dass Freitage insgesamt die unfallträchtigsten Tage der Woche sind: 16,7 Prozent der Unfälle passieren dann. Dass es dabei an den wenigen Freitagen mit der Kennziffer 13 ein leichtes Plus gegeben habe, sei statistisch nicht signifikant, so die Versicherung.
Verliert der Freitag der 13. seinen Schrecken? Das wäre eine gute Nachricht für Paraskavedekatriaphobiker - also Menschen mit krankhafter Angst vor diesem Datum. Sie verweisen auf Ereignisse, die die Angst vor dem Datum bestätigen könnten: Am 13. Januar 2017 zog Sturmtief Egon über Deutschland und verursachte dreimal mehr Schadensmeldungen als üblich. Am Freitag, dem 13. Januar 2012, kollidierte das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" mit einem Felsen. Am Freitag, dem 13. September 1940, wurde der Buckingham Palace von deutschen Bomben getroffen. Und am Freitag, dem 13. Oktober 1307, begann Franzosenkönig Philipp IV. mit der Vernichtung des Templer-Ordens. Auch bei den Lottozahlen gibt es Bemerkenswertes um die Zahl 13: Am 9. Oktober 1955 war sie die allererste Zahl, die beim neuen "6 aus 49" aus der Lostrommel kam; sie wurde aber seither am seltensten gezogen.
Fest steht: Der Unglückstag wird erst seit 70 Jahren zu einem solchen stilisiert, wie der Regensburger Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder herausfand. Verschiedene Mythen werden zusammengerührt: Schon in frühen Hochkulturen spielte die Zahl 12 eine zentrale Rolle, erläuterte Hirschfelder: Jeder Tag ist in zwei Mal zwölf Stunden eingeteilt, jedes Jahr hat zwölf Monate. Die 13 dagegen überschreitet das 12er-System und wurde so zur Unglückszahl.
Im Christentum machte Judas die 13 zur bösen Zahl: Beim Letzten Abendmahl waren 13 Personen anwesend - und er war der Verräter Jesu. Lange wurde die 13 im Volksmund daher auch "das Dutzend des Teufels" genannt. Was die Wochentage angeht, galt der Freitag in der Antike als Tag der Liebesgöttin Aphrodite. Aber dann wurde Jesus freitags gekreuzigt - ein Grund, zu fasten und zu trauern.
Bis zum 20. Jahrhundert wurden Zahlen- und Wochentagssymbolik nicht verknüpft. Erstmals in den 1950er Jahren finden sich Berichte über die Unheil bringende Wirkung von Freitag dem 13. - stets im Rückgriff auf die USA.
Die US-Ursprünge stammen aus dem 19. Jahrhundert. Ein Journalist hatte 1869 die Idee, Kursschwankungen des US-Goldmarktes mit diesem Datum zu verbinden. "Wer in einer solchen Symbolik stöbert, der findet immer etwas", so Hirschfelder. Auch die Postmoderne suche Markierungspunkte, mit denen sich das Leben einteilen lasse.
"So wie wir Muttertag und Halloween aus Amerika importiert haben, wurde auch Freitag der 13. aus den USA eingeführt", betont Hirschfelder. Dabei nehme die Spaßgesellschaft von heute die abergläubischen Vorstellungen nicht mehr ernst. Freitag der 13. sei vielmehr ein "nicht ernsthaftes Kokettieren mit dem Unglück".