Glauben mit Herz und Hand

Andacht
Glauben mit Herz und Hand

Predigttext
1 Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. 2 Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. 3 Und es kamen einige, die brachten zu ihm einen Gelähmten, von vieren getragen. 4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, gruben es auf und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. 5 Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. 6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: 7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 8 Und Jesus erkannte alsbald in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 12 Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.

Eine Geschichte wie ein Wimmelbild. So viel Leben dicht gedrängt: Erwartungsvolle Menschen, die etwas sehen, spüren wollen. Gefühle, Positionen, Erwartungen, Sehnsüchte. Ein Haus am See Genezareth. Jesus soll predigen. Und so viele sind gekommen, dass sie jeden Winkel füllen – innen und um das Haus herum.

Die vier, die ihren Freund tragen, bleiben außen vor – der Menschenring ist einfach zu dicht. Es hätte so viele Gründe gegeben, einfach aufzugeben. Die üblichen Wege sind ausgereizt. Aber diese vier kehren jetzt nicht um. Wo andere nur undurchdringliche Hindernisse sehen, weist ihnen ihr „Es-muss-doch-noch-einen-Weg-geben-Sinn“ die Richtung. Und sie fangen an, Jesus aufs Dach zu steigen und es auch gleich abzutragen. Ungeachtet, dass sie stören könnten. Ungeachtet, dass es peinlich ist. Ungeachtet, dass man so etwas nicht tut – anderen Leuten ungefragt das Dach abzudecken.

Nicht reden, sondern handeln

Sie reden nicht – sie handeln – in greifbarer Solidarität. Hoch-parteilich.
So bringen sie ihren Herzensmenschen in die Mitte des Geschehens. Aus dem Aus ins Zentrum, direkt vor die Füße Jesu. Die Freunde immer noch auf dem Dach – der gelähmte Mensch und Jesus nun direkt beieinander. Im Oben und Unten.

Und noch immer ist kein Wort gefallen. Der Mensch selbst schafft Tatsachen. In seiner Unfähigkeit sich zu rühren. Sich selbst zu helfen. Aus dem Blick zu geraten. Was geschieht in diesem besonderen Moment, der Begegnung ohne Worte?

Nichts soll trennen von Gottes Nähe

Jesus schenkt dem Menschen vor ihm das, was er zutiefst als das Wichtigste ansieht: Nichts soll auf dir lasten. Nichts soll dich trennen von Gottes liebevoller Nähe. Sei frei. Von Schuld, die niederdrückt. Von Krankheit, die dich bindet.

Das, was vermutlich die vier Freunde als Herzenswunsch mitgebracht haben, die Heilung für ihren Freund, kommt dabei wirklich erst als zweites, hinterhergeschickt.
Mich bewegt, dass Glauben auch so funktionieren kann: Stellvertretend.

Mein Vertrauen ist flügellahm geworden. Aber neben mir ist mein Freund, meine Freundin. Mein Leiden, die Quälerei greift ihm, greift ihr ans Herz. Das kann doch nicht so weitergehen. Und wo meine Kraft nicht ausreicht – weder zu den nötigen Schritten noch zur Hoffnung –, da ist mit einem Mal seine Kraft, ihre Kraft, die mich dahin bringt, wo Leib und Seele berührt werden, wo neue Kraft, wo Veränderung auf mich wartet. Neues Leben.

Dorothee Sölle hat einmal gesagt: „,Da kann man nichts machen‘ ist ein zutiefst gottloser Satz.“

Die vier Freunde leben diese Überzeugung. Sie geben nicht auf. Sie lassen es nicht gut sein, bevor es wieder gut ist. Freundschaft, die zur Quelle des Lebens zurückfinden lässt. Solche Freunde, solche Freundinnen haben – so ein Freund, so eine Freundin sein – was für ein lebens-werter Glauben!

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