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Autor Glattauer: Im Zug lieber Menschen beobachten als arbeiten

Verspätungen, Ausfälle, volle Waggons: In Deutschland steht die Bahn in der Dauerkritik. Doch es gibt auch Zug-Liebhaber. Der österreichische Bestsellerautor Daniel Glattauer gehört dazu.

Der österreichische Autor Daniel Glattauer findet Zugfahren nach eigenem Bekunden inspirierend. “Da ist zum einen der Bewegungsfluss, der auch die Gedanken in Schwung bringt. Es ist ein Ort, an dem man mit Fremden über mehrere Stunden zufällig zusammenkommt, daraus können sich Gespräche und Geschichten entwickeln”, sagte er im Interview der “Süddeutschen Zeitung” (Wochenende). Auch gebe es einen Romantik- und Nostalgiefaktor.

Allerdings seien Züge zunehmend zu fahrenden Büros geworden. “Ich kann verstehen, wenn berufstätige Leute oder Studenten die Zugfahrt auch als Arbeitszeit benutzen. Es gibt allerdings Menschen, die ständig im Tun sein müssen. Das ist keine gute Entwicklung, das macht einen nicht glücklich”, so der 64-Jährige.

Er selbst arbeite zu Hause – “im Zug beobachte ich lieber andere Leute oder schaue einfach aus dem Fenster”. Auch bei Gesprächen mit Mitreisenden ist Glattauer nach eigenen Worten eher zurückhaltend. Im Zug angerufen zu werden, empfinde er als fast peinlich. Auch telefonierende Mitreisende seien unangenehm. Leberkässemmeln gehörten ebenfalls nicht in den Zug. Einen Streit würde der Autor aber nicht anfangen: “Ich würde mich eher auf einen anderen Platz setzen”.

Einen Lieblingsbahnhof hat Glattauer, dessen neuer Roman “In einem Zug” ebenfalls auf der Schiene spielt, aber nicht. Während einer Interrail-Tour sei er allerdings eines Morgens in Monaco angekommen und habe gestaunt, wie gepflegt dort alles sei.