Hier wollten schon viele rein. Doch am Türsteher der Münchner Nobeldiskothek P1 kam und kommt nicht jeder vorbei. Nun gibt es im Haus der Kunst über den dort ansässigen Club eine eigene Schau.
Im Münchner Haus der Kunst können Besucherinnen und Besucher vom 21. Juni 2024 bis 23. Februar 2025 eine Reise durch die im Gebäude ansässige berühmteste Disco der Stadt, das P1, machen. Unter dem Titel “Glamour & Geschichte” wird für die Ausstellung auf Archivmaterial zurückgegriffen, außerdem soll eine “immersive Erfahrung” möglich sein, wie es in der Ankündigung heißt. Die Gestaltung der Schau in der Archiv-Galerie sei sowohl vom frühen Standort des Clubs im Ostflügel beeinflusst als auch vom minimalistischen Design des Mailänders Matteo Thun, der das Lokal in den 2000er Jahren umgestaltet hat.
“Wenn im P1 ein junger Mann auf der Tanzfläche ausflippte und man dachte: Der sieht aus wie Mick Jagger. Dann war es Mick Jagger”, schrieb Klaus Gunschmann, langjähriger Türsteher des Clubs. Dieser gilt seit seiner Neueröffnung im Jahr 1984 als feste Größe in der deutschen Club-Landschaft und hat legendäre Veranstaltungen erlebt. Whitney Houston gab dort ihr erstes Konzert vor europäischem Publikum, bei einer Party für Tina Turner regnete es falsche D-Mark-Scheine von der Decke.
Die Besucher sind eingeladen, ihre persönlichen Geschichten und Erinnerungsstücke zum P1 zu teilen und so die Ausstellung zu bereichern, heißt es. Ein Magazin über das P1 und seine Geschichten werde parallel publiziert und während der Laufzeit mit ausgewählten Beiträgen der Besucher erweitert.
Das P1 ist den Angaben zufolge einer der wenigen Clubs, wenn nicht sogar das einzige Nachtlokal, das sich das Dach mit einem Kunstausstellungshaus “in inspirierender Koexistenz” teilt. Die Clubkultur als Ort der Kulturproduktion ermögliche vielfältige Lebensstile und neue Formen der Repräsentation, wobei die Grenzen zwischen Möbel- und Grafikdesign, Architektur, Kunst, Film, Musik, Fotografie und Mode aufgehoben würden.
Die US-Armee übernahm nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs das ursprünglich von Adolf Hitler 1937 eröffnete “Haus der Deutschen Kunst”. Die Amerikaner etablierten 1949 im Ostflügel des Gebäudes einen Offizierstreff. Weil sie die Adresse Prinzregentenstraße 1 nur schwer aussprechen konnten, setzte sich die Bezeichnung “P-One” oder, wie es heute heißt, “P-Eins” durch.