Gewaltforscher: Jüngste Hassattacken nur “Spitze eines Eisbergs”

Eine Blockade am Fähranleger und die erzwungene Absage einer Aschermittwochs-Veranstaltung - das sind nur zwei Beispiele für Attacken auf Politiker der Grünen. Und das könnte erst der Anfang sein, warnt ein Experte.

Konflikt- und Gewaltforscher Andreas Zick warnt vor einem zunehmenden Hass in der Gesellschaft. Feindbild Nummer eins seien dabei Politikerinnen und Politiker der Grünen, sagte der Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag): "Sie kursieren als Feindbild und wichtigstes Hassobjekt in vielen rechtspopulistischen und rechtsradikalen Gruppen, aber auch in der Mitte."

Er sehe die Gefahr, dass Rechtsradikale und gewaltbereite Gruppen und Menschen diese Stimmung bei ihren Protesten und Aktionen ausnutzen und weiter schüren könnten, fügte Zick hinzu: "Die letzten Übergriffe sind nur die Spitze eines Eisbergs an Hass gegen Politikerinnen und Politiker der Grünen."

Reizwörter wie "Wärmepumpe" oder "feministische Außenpolitik" reichten oft schon aus, um Hassangriffe zu entzünden. Allerdings seien diese Hass- und Feindbilder schon vor der Beteiligung der Grünen an der Ampelkoalition da gewesen: "Jetzt haben gesellschaftliche Polarisierungsprozesse die Gewalt erleichtert."

Bedenklich finde er, so der Wissenschaftler weiter, dass bei einer repräsentativen Umfrage kürzlich 13 Prozent der Befragten die Meinung vertreten hätten, einige Politiker hätten es verdient, "dass die Wut gegen sie schon mal in Gewalt umschlägt"; weitere 16 Prozent seien der Ansicht gewesen, das stimme "teils-teils".

Am Aschermittwoch war eine geplante Veranstaltung der Grünen in Biberach wegen massiver Proteste aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Unter anderem waren Straßen blockiert, ein Misthaufen vor die Stadthalle gekippt und die Scheiben eines Autos eingeschlagen worden. Nach einer Veranstaltung in Schorndorf wurde Grünen-Chefin Ricarda Lang massiv angefeindet und zunächst an der Abreise gehindert. Im Januar war Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) durch eine Blockadeaktion am Verlassen einer Fähre gehindert worden.

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