Gesetzlich Versicherte müssen sich in den kommenden Jahren auf deutlich höhere Kosten im
Gesundheitssystem einstellen. Bundesgesundheitsministerin
Nina Warken (CDU) geht von einem zweistelligen Milliardenbetrag aus, der ab 2027 eingespart werden müsse. "Um das zu erreichen, schnüren wir ein Paket über alle Ausgabenfelder hinweg – Krankenhaus, Ärzte, Pharma – und gehen auch strukturell vor, etwa gegen Fehlanreize und Doppelvergütungen", sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ziel sei eine ausgewogene Lösung. "Auch Zuzahlungen für Patienten sind nicht tabu, etwa bei Medikamenten und Hilfsmitteln, die wurden über 20 Jahre nicht erhöht."
Offen zeigte sich die Ministerin auch dafür, die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern abzuschaffen. "Ich teile das Ziel, Anreize zu setzen, damit vor allem mehr Frauen einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen", sagte sie. "Die Familienversicherung zu reformieren, wäre ein Paradigmenwechsel. Das müsste aber sozialverträglich passieren."
Gesundheitsreform: Einführung des Primärarztsystems bis 2028
Bis 2028 soll nach dem Willen der Ministerin auch das
Primärarztsystem eingeführt werden. Künftig soll der Hausarzt in der Regel die erste Anlaufstation für Patienten sein, um Doppelbehandlungen zu vermeiden. Er soll dann, wenn nötig, die Tür zum Facharzt öffnen. In diesem Zusammenhang hält die CDU-Politikerin Anreize für erforderlich, damit sich die Patienten an diesen Weg halten. "Wer sich an die Patientensteuerung hält, könnte einen Bonus erhalten, wer einfach so zum Facharzt geht, könnte eine Gebühr bezahlen müssen. Gegebenenfalls kann eine Leistung, die nicht den Empfehlungen der Primärversorger entspricht, nicht abgerechnet werden, sondern muss dann vom Patienten selbst bezahlt werden."
Advanced Practice Nurses sollen mehr Verantwortung übernehmen
Auf den Einwurf, dass schon heute Hausärzte fehlten, sagte Warken, Aufgaben müssten auf mehr Schultern verteilt werden. "Wir brauchen eine digitale und eine telefonische Ersteinschätzung, die gut funktioniert." Außerdem sollten weitere Berufe Kompetenzen zur medizinischen Versorgung erhalten: "Wir wollen das Berufsbild der sogenannten Advanced Practice Nurses einführen, die mehr Verantwortung übernehmen sollen, etwa manchen Hausbesuch. Auch nicht jede Infektsprechstunde muss zwingend von einem Arzt übernommen werden." Warken verwies darauf, dass Pflegekräfte im vergangenen Jahr bereits gesetzlich zusätzliche heilberufliche Kompetenzen zugesprochen worden seien.