Geld, Wissen, Verantwortung: Junge Stimmen beim Bundesbank-Event

Zwischen Zinsen und Zukunft

Deutsche wissen einiges über Finanzen, aber mehr wäre besser. Und wer sich mit Geldpolitik beschäftigt, braucht breite Kenntnisse über die Gesellschaft. Das zeigte das Euro20+-Festival der Bundesbank jungen Erwachsenen.+

Geld ist nicht nur Macht, sondern auch KI, Klimaschutz und Demokratie. Diese Vielschichtigkeit in der Finanzwelt machte die Vortragsliste beim zweitägigen Euro20+-Festival der Bundesbank in Frankfurt deutlich: Philip Jefferson, der Vizepräsident der US-Zentralbank Fed, blickte auf KI. Frank Elderson, Vorstandsmitglied der Europäischen Zentralbank, referierte über den Einfluss von Klimaschutz die Notenbanken. Und News-Influencerin Nina Poppel diskutierte bei dem am Samstag beendeten Treffen über wirksamen Einsatz für die Demokratie.

Als Debattengrundlage diente auch eine Untersuchung, die den Deutschen ein gutes Finanzwissen attestiert. Bei der OECD-Studie aus dem vergangenen Jahr konnten sie im Schnitt 76 von 100 Fragen beantworten, der internationale Schnitt lag bei 63. Aber diese 100 Fragen seien Grundlagenwissen, ordnete Lutz Lienenkämper aus dem Bundesbankvorstand die Ergebnisse kritisch ein.

Dieses Grundwissen könnten vermutlich viele Teilnehmende auch um drei Uhr nachts noch beantworten - so engagiert wurde debattiert: Ein Panel war schon längst vorbei, aber die Diskussion über Fiskalregeln wollte nicht enden. Einige Volkswirtschafts-Studierende ließen bei den Bundesbank-Volkswirten nicht locker.

Darunter war auch Leander Schätz. Für den Studenten sind börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs, von gestern. Doch außerhalb seiner Finanzblase sähe das schon anders aus, das Geld bliebe auf dem Konto. Seine Freunde sagten eher Dinge wie: "Ich möchte ja nicht zocken, also werde ich nicht großartig investieren." Dazu zählten bei ihnen auch schon die eher risikoarmen ETFs.

Damit gehören Leanders Freunde zur Mehrheit in Deutschland. Im vergangenen Jahr besaßen nur rund zwölf Millionen Deutsche Aktien, Aktienfonds oder ETFs. Das bedauerte Claudia Müller, Geschäftsführerin des Female Finance Forums. Für eine finanzielle Absicherung riet sie: "Wer viel Geld hat, sollte investieren." Wer am Ende des Monats nur wenig Geld zurücklegen könne, müsse es sogar. Die Expertin empfahl dafür ETFs statt Einzelaktien, denn "selbst mit viel Finanzwissen schlägt der ETF im Schnitt langfristig immer die Einzelaktien".

Die Teilnehmenden der Konferenz in Frankfurt waren jung, wesentlich mehr Männer als Frauen waren dabei und viele Studierende aus wirtschaftlichen Fächern. Dieser geschlechtliche Unterschied spiegelt sich auch in Studien wider. Die bereits erwähnte OECD-Studie belegte auch: Männer wissen im Schnitt mehr über Finanzen als Frauen. Claudia Müller setzt sich dafür ein, diese Lücke zu schließen. Aber vor allem geht es ihr darum, das Selbstbewusstsein im Umgang mit Geld zu stärken. Frauen wüssten einiges und sollten mehr auf ihre finanziellen Fähigkeiten vertrauen.

Müller und Bundesbanker Lienenkämper wünschen sich allgemein mehr Finanzbildung in Deutschland. Müller fordert die Länder und den Bund auf, sich finanziell und ideell dafür einzusetzen, wie etwa durch angepasste Bildungspläne in Schulen. Die Bundesbank stellt für Lehrkräfte kostenlose Materialien bereit.

Volkswirtschafts-Student Schätz gibt sich entspannt. Viel gebe es eigentlich nicht zu wissen, solange man über die größten Betrugsmaschen Bescheid wisse: "Ich halte meine Finger von Influencern", sagt er. "Denn das, was man über Finanzen wissen muss, passt auf eine DIN-A5-Karte."

Ganz so einfach ist es dann aber vielleicht doch nicht, folgt man den Fachleuten. "KI beeinflusst die Wirtschaft zunehmend", betont etwa Astrid Lipfert, stellvertretende Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Bundesbank. Entsprechend sei die Technologie auch Teil der wirtschaftlichen Analysen der Bundesbank.

Auch US-Fed-Mann Philip Jefferson treibt das Thema KI um. Diese biete die Chance, die Produktivität zu erhöhen, und werde wohl nicht nur Jobs abschaffen, sondern vermutlich auch neue kreieren. Welche, das ist laut Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, schwer zu sagen. Er rechnet mit Veränderungen im Dienstleistungssektor. Für endgültige Aussagen brauche es jedoch noch mehr Daten.

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