Zum Europäischen Tag des Notrufs am Mittwoch hat der Landesverband Bayern der Gehörlosen (LVBYGL) die Beseitigung struktureller Mängel bei Polizeieinsätzen gefordert. Wie der Verband mitteilte, sei die Polizei schlecht auf den Umgang mit gehörlosen Menschen eingestellt. Das zeige der tragische Fall in Bochum vom vergangenen November, bei dem ein gehörloses Kind durch Polizeischüsse lebensgefährlich verletzt worden war. „Wenn die Polizei Eigensicherung über das Leben von Menschen stellt, die akustische Befehle physisch nicht wahrnehmen können, ist das ein unhaltbarer Zustand“, betonte Daniel Büter, Politischer Referent des LVBYGL.
Der Verband forderte eine verbindliche Eskalationsstopp-Klausel für bayerische Einsatzkräfte: Bei erkennbarer Hörbehinderung müsse die Anwendung von Zwang ausgesetzt werden, bis visuelle Kommunikationswege versucht wurden. Bei Vernehmungen und Ermittlungen herrsche außerdem ein massiver Mangel an Dolmetschern. Dies liege daran, dass die bayerische Polizei diese Fachkräfte zu schlecht bezahle. „Barrierefreiheit ist eine staatliche Kernaufgabe und darf nicht am Budget scheitern“, so die Forderung des Verbands.
Positiv bewertete der LVBYGL die Verstetigung der Notruf-App „nora“ und des Tess-Notrufs speziell für hörgeschädigte Menschen sowie die Barrierefreiheit der Krisendienste Bayern. Gehörlose könnten nun in psychischen Krisen rund um die Uhr professionelle Hilfe in Gebärdensprache erhalten. Ein weiterer Erfolg sei der bayerische Notfallbereitschaftsdienst, der nachts und an Feiertagen eine verlässliche Kommunikation in Akutlagen garantierte. „Dies sind wichtige Meilensteine, doch sie lösen lediglich den Zugang zum Notruf“, so Büter. Das bayerische Innenministerium müsse eine lückenlose Rettungskette vom Notruf bis zum Einsatzende vor Ort garantieren. (0421/11.02.2026)