Gegen Krempelkauf – “Bei vielen Produkten wird Fortschritt simuliert”

Ein Induktionsherd, der mit feuchtem Finger nicht eingestellt werden kann. Oder eine Waschmaschine, die schnell den Geist aufgibt. Gabriel Yoran bezeichnet das als Verkrempelung der Welt - und hat Ideen zur Verbesserung.

Je neuer, desto besser? Das ist nach Einschätzung eines Experten oft ein Trugschluss. "Heutzutage wird bei vielen Produkten Fortschritt simuliert", sagte Unternehmensgründer Gabriel Yoran der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. "Fortschritt ist aber kein Naturgesetz, obwohl wir das immer noch gerne glauben möchten." Bei vielen Alltagsprodukten lasse die Qualität zunehmend nach, gleichzeitig würden sie teurer. - Yoran hat jetzt ein Buch geschrieben, in dem er sich mit dieser aus seiner Sicht zunehmenden "Verkrempelung der Welt" auseinandersetzt.

Eine gute Kaufentscheidung zu treffen, werde immer mühseliger, sagte der Autor. "Es gibt durchaus gute Produkte, aber sie zu finden, ist schwierig." So sei wirkliche Wahlfreiheit bei vielen Produkten nicht gewährleistet: "Wenige Hersteller dominieren immer gleiche und weniger werdende Handelsketten."

Zudem verführten Online-Einkäufe dazu, falsche Kriterien anzulegen. "Wir beurteilen Dinge hauptsächlich danach, wie sie auf dem Smartphone-Display wirken. Das ist eine völlige Überbewertung des Visuellen." Gewicht, Oberfläche, Haptik oder Ergonomie spielten bei solch einer Kaufentscheidung keine Rolle - entsprechend oft werde man enttäuscht. Hinzu komme, dass Online-Käufe angeliefert werden müssten - und es eine gewisse Anstrengung bedeute, sie wieder zurückzugeben.

"Dafür muss man sich aufraffen. Der Anspruch, den man an ein Produkt stellt, sollte eigentlich höher sein als die eigene Bequemlichkeit", sagte Yoran. Viel zu oft nehme man online gekaufte Produkte hin, auch wenn sie den eigenen Vorstellungen nicht entsprächen.

Auch wenn in Zeiten des Klimawandels nachhaltiger Konsum eigentlich im Interesse aller wäre, sei er schwierig durchzusetzen. "Unternehmen müssen jetzt Gewinne machen. Es ist nicht in ihrem Interesse, dass ein Produkt möglichst lange hält."

Deshalb forderte Yoran vor allem von der Politik, die Rahmenbedingungen zu ändern. "Hierzulande gilt eine Gewährleistung von zwei Jahren. Wenn man diese auf zehn verlängern würde - wie anders würden die Produkte aussehen, wie viel robuster wären sie."

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