Herr Bischof Stäblein, wie beurteilen Sie diese von zwei diakonischen Einrichtungen herbeigeführte Situation in dem evangelischen Seniorenheim „Pflege und Wohnen Schillerpark“ in Berlin-Wedding?
Christian Stäblein: Die Situation empfinde ich als sehr schmerzhaft. Ich sehe die Seniorinnen und Senioren, die sich bei ihrem Einzug auf ein langfristiges Wohnen dort verlassen hatten. Und die noch einmal umziehen müssen. Wir wissen alle, was das im hohen Alter bedeutet. Auch wenn sich die Mitarbeitenden der Johannesstift-Diakonie mit all ihren Kräften bemühen, dass Hilfe und Begleitung bereit stehen, Hilfe für Leib und Seele. Es arbeitet ja niemand in der Diakonie, dem nicht die Menschen als erstes am Herzen liegen. Im Moment bekommen auch diese Mitarbeitenden viel ab, werden beschimpft und sogar bedroht. Die Situation ist voller Schmerz.
Kritiker werfen der Paul-Gerhardt-Diakonie als Eigentümerin des Hauses vor, in der Unterbringung von Geflüchteten, die jetzt dort einziehen, ein besseres Geschäftsmodell zu sehen. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Dass Geflüchtete ein gutes Geschäftsmodell sind, halte ich für abwegig und zynisch. Ich meine, wir sollten das in jedem Fall trennen: Die Schließung eines Seniorenstiftes, wenn ältere Menschen ausziehen müssen – erst recht, wenn es vor der Zeit ist –, ist schwer belastend. Sie zerstört Vertrauen an einem elementaren Punkt unseres Menschseins und auch unseres Glaubens: für Menschen im Alter sicher da sein. Das ist ja die Bedeutung des vierten Gebots: Du sollst Vater und Mutter ehren. Übertragen heißt das: Wir haben die unbedingte Pflicht, für die Alten in unserer Gesellschaft gut zu sorgen. Wie schwer das heute geworden ist mit Fachkräftemangel und Pflegenotstand, wissen wir. Die Diakonie ist hier ein wichtiger Pfeiler in der Gesellschaft, Vertrauen ihr Wesenskern.
