Der Ansbacher Poetry-Slammer, Diplom-Kaufmann und Theaterpädagoge Michael Jakob moderiert im geschichtsträchtigen Saal 600 des Memoriums Nürnberger Prozesse am 20. November einen „History Slam“. Er präsentiert Geschichte als Vortragswettbewerb zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um die Gunst des Publikums. Im Schwurgerichtssaal 600 begannen vor 80 Jahren die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse.
epd: Sie moderieren den History Slam zu 80 Jahren Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Kann ein solch ernstes Thema auch im Slam-Format funktionieren?
Michael Jakob: Ich denke, das Format wird sehr gut funktionieren. Immerhin ist die Veranstaltung ausgebucht. Ich bin selbst als Moderator gespannt, wie schwer der Abend wird, denn das Thema ist ernst. Zunächst war der Slam im Cube 600 (Anmerkung: Der Ausstellungsbereich des Memoriums Nürnberger Prozesse in einer ehemaligen Kfz-Werkstatt) geplant, jetzt sind wir im Saal 600. Das ist etwas ganz anderes, da bekomme ich in dem historischen Kontext regelrecht Gänsehaut. Ich werde meine Moderation anders machen als sonst. Das Locker-Flockig-Witzige passt weder zur Veranstaltung noch zu dem historischen Raum. Dann haben wir eine Jury im Publikum sitzen, die den besten History Slammer als Sieger kürt. Die Slammer werden also lockerer als bei einem Vortrag auftreten. Ich kann mir das selbst noch nicht vorstellen, wie das bei diesem Thema umgesetzt wird.
epd: Kann der erste History Slam in Franken junge Leute und neue Erinnerungskultur zusammenbringen?
Jakob: Ich kann mir schon vorstellen, dass das Format auch jüngere Leute anlockt. Aber für mich selbst war Poetry-Slam nie allein auf junge Menschen zugeschnitten, sondern etwas Generationsübergreifendes. Ich habe vor über 20 Jahren mit Poetry-Slam in Fürth angefangen. Damals haben wir eine knapp 80-Jährige aus dem Altersheim als Teilnehmerin abgeholt, weil sie unbedingt auf der Bühne mitmachen wollte. Die Altersspanne, die ich bei Poetry-Slams moderiert habe, geht von 11 Jahren bis 89 Jahren. Das Memorium Nürnberger Prozesse hat bereits vor fünf Jahren einen Poetry-Slam im Cube 600 durchgeführt, um neue Zielgruppen anzusprechen. Da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht, das Publikum konnte uns nur über einen Internetstream verfolgen. Aber die Zuschauerzahlen waren, wenn ich mich recht entsinne, ganz ordentlich.
epd: Herr Jakob, international gilt Deutschland als Hochburg des Poetry-Slam. Welche Rolle spielt hierbei der History Slam?
Michael Jakob: Der Science Slam hat sich aus dem Poetry-Slam entwickelt. Heute gibt es gar nicht mehr so viele Überschneidungen. Es ist eine komplett eigene Szene mit eigenen Meisterschaften, die sich mit einem wissenschaftlichen Anspruch entwickelt hat. Ein History Slam ist ein spezieller Science Slam. Hier geht es darum, Geschichte wissenschaftlich fundiert, aber auch unterhaltsam zu präsentieren. In der Regel greift man ein Thema auf und beleuchtet es aus verschiedenen Blickwinkeln. (3537/13.11.2025)