Früherer israelischer Verhandler sieht kaum Chancen für Geiseldeal

In Kairo wurde erneut über die israelischen Geiseln in Gaza und einen Waffenstillstand verhandelt. Die Signale aus Verhandlungskreisen sind widersprüchlich. Die Chancen für eine Einigung seien schlecht, sagt ein Experte.

Weder Israel noch die Hamas haben bei den Verhandlungen in Kairo am Wochenende den Kompromissvorschlägen zugestimmt. "Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass der vorliegende Deal nicht gut ist - weder für Israel noch für die Hamas", sagte der britisch-israelische Analyst und Friedensaktivist Gerschon Baskin am Wochenende der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Aussichten auf einen Erfolg der Gespräche seien sehr gering, so Baskin, der maßgeblich an den Verhandlungen um die Freilassung des von der Hamas entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit (2006) beteiligt war.

Baskin hinterfragte die gegenwärtig verhandelten Eckpunkte, darunter die geplante Freilassung von 33 Geiseln in der ersten Phase des Abkommens. Hamas habe angegeben, dass es nur 20 Geiseln in der sogenannten "humanitären Kategorie" gebe, zu der Frauen, Alte und Kranke zählten. Es sei unklar, was mit den verbleibenden Geiseln geschehe und wie es nach den ersten sechs Wochen weitergehe, so Baskin.

Baskin forderte stattdessen die Freilassung "aller Geiseln - aller 109, das Ende des Krieges in vier Wochen, einen Abzug aus dem Gazastreifen, Sicherheitsvorkehrungen auf der Philadelphi-Route von der ägyptischen Seite aus unter amerikanischer Aufsicht und die Freilassung der palästinensischen Gefangenen in ihre Häuser (unter den wachsamen Augen Israels)".

Eines der Probleme sei, so Baskin, dass die Hamas ein Abkommen zum jetzigen Zeitpunkt als Sieg sähe. Ebenso sähe ein bedeutender Teil der israelischen Gesellschaft es "als Kapitulation, wenn palästinensische Mörder freigelassen und der Krieg beendet würde, bevor die Hamas vollständig vernichtet und Sinwar getötet wurde".

Hamas hatte laut Medienberichten von Sonntag erklärt, sie sei nicht bereit, Bedingungen zu akzeptieren, die über die am 2. Juli vereinbarten Punkte hinausgingen. Hauptstreitpunkt ist demnach eine israelische Präsenz im sogenannten Philadelphi-Korridor an Gazas Grenze zu Ägypten. Das israelische Verhandlungsteam hatte sich nach der Rückkehr aus Kairo laut Medien positiv geäußert. Die Gespräche bewegten sich in die richtige Richtung.

Auch die USA äußerten sich hoffnungsvoll. Über offene Fragen und Details solle in den kommenden Tagen in Arbeitsgruppen weiterverhandelt werden. Der US-amerikanische Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan erklärte im kanadischen Halifax vor Medien, die USA arbeite zusammen mit den anderen Vermittlern mit Nachdruck an einer Einigung für einen Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln.

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