Auf Bitten von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune den inhaftierten Schriftsteller Boualem Sansal begnadigt. „Ich danke meinem algerischen Kollegen für diese wichtige humanitäre Geste“, erklärte Steinmeier am Mittwochabend in Berlin. Der 81-jährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels befinde sich „auf dem Weg zur medizinischen Versorgung in Deutschland“.
Am Montag hatte Steinmeier Tebboune um die Freilassung des algerisch-französischen Schriftstellers gebeten, der in Algerien zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Einer Sprecherin des Bundespräsidialamtes zufolge waren der Begnadigung Gespräche zwischen Steinmeier und Tebboune vorausgegangen.
Der Bundespräsident stehe auch mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron im Austausch über die Entwicklung, erklärte das Präsidialamt in Berlin weiter. Steinmeier betonte: „Herr Sansal hat auch hier in Deutschland viele Leser und Freunde. Es war mir ein sehr wichtiges Anliegen.“ Sansal war 2011 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden.
Sansal war nach Angaben der Schriftstellervereinigung PEN Berlin im März in einem Schnellverfahren verurteilt worden. Zu den Anklagepunkten zählte unter anderem „Verstoß gegen die nationale Einheit“. Ausgangspunkt des Verfahrens waren laut PEN Äußerungen Sansals in einem Interview mit dem französischen Medium „Frontières“. Darin habe Sansal davon gesprochen, dass Algerien unter französischer Kolonialherrschaft Gebiete erhalten habe, die ursprünglich zu Marokko gehörten. Das Urteil gegen Sansal wurde nach Berufung am 1. Juli bestätigt.
Das PEN-Zentrum Deutschland dankte Bundespräsident Steinmeier für seine Initiative. Najem Wali, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN Deutschland, betonte, Sansal habe stets den Mut bewiesen, Missstände offen anzusprechen und die dunklen Kapitel der algerischen Geschichte zu beleuchten”.
Sansal hat sich nach Darstellung des PEN über Jahrzehnte hinweg durch seine literarischen und politischen Werke als eine der wichtigsten Stimmen Algeriens etabliert. Trotz seiner oft kritischen Haltung gegenüber dem algerischen Staat habe er sich stets dafür entschieden, in Algerien zu bleiben und nicht ins Exil zu gehen.