Nach Entwidmung: Kirchen wollen keine “Ruinen-Romantik”

Zu viele Kirchen für zu wenige Christen: Vor dieser Situation stehen die deutschen Katholiken und Protestanten. Experten fordern mehr Freiraum beim Kirchenrecht.
Nach Entwidmung: Kirchen wollen keine “Ruinen-Romantik”
In der entwidmeten Hamburger Bethelehemkirche spielen jetzt Kinder Fußball – in ihrer Kita
epd-bild / Stephan Wallocha

Vor einer „Ruinen-Romantik“ für nicht länger benötigte Kirchen haben Experten bei einer Fachtagung in München gewarnt. Kirchen, die mangels Nutzungskonzept und Finanzen stillgelegt würden, führten oft zum Verfall des angrenzenden städtischen Raums, gab Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), in der Katholischen Akademie Bayern in München zu bedenken.

Jakob Johannes Koch, Kulturbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, verwies auf die dabei entstehenden Kosten: „Wenn man Vandalismus an leerstehenden Kirchen verhindern will, muss man Kosten für Wachpersonal einpreisen.“ Das belaufe sich schnell auf viele Tausend Euro pro Jahr. Zudem könne man Gebäude nicht einfach sich selbst überlassen: „Sobald der erste Dachziegel herunterfällt, wird es gefährlich“, sagte Mathias Pfeil, Generalkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Entwidmete Kirchen: Mehr Freiraum gefordert

Die drei Teilnehmer der Podiumsdiskussion mit dem Titel „Kirche im Spannungsfeld zwischen Glaubensauftrag, Denkmalpflege und gesellschaftlichem Interesse“ plädierten für neue Leitlinien und Interpretationshilfen sowohl beim Kirchenrecht als auch beim Denkmalschutz. Es gehe darum, mehr Freiraum für verschiedene Nutzungskonzepte von Kirchen zu bekommen. Denn auch für denkmalgeschützte Kirchen stehe eine „sinnvolle Nutzung, nicht der Erhalt der bloßen Gebäudehülle“ im Vordergrund, sagte EKD-Beauftragter Claussen.

Die katholische Kirche in Deutschland besitzt nach eigenen Angaben rund 24.000 Sakralgebäude, von denen rund 95 Prozent unter Denkmalschutz stehen. Auf evangelischer Seite sind es bundesweit 20.361 Kirchen, von denen knapp 83 Prozent denkmalgeschützt sind. Beide Kirchen wollen ihren Gebäudebestand in den kommenden Jahren aufgrund des Mitglieder- und Kirchensteuerrückgangs reduzieren.

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