Rund zwei Jahre nach dem Sturz von Präsident Ali Bongo in Gabun ist ein Urteil im Skandal um Machtmissbrauch seitens des Familien-Clans gefallen: Ehefrau und Sohn des Ex-Präsidenten wurden laut der Nachrichtenseite „Gabun Actu“ am Mittwoch wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Sylvia und Noureddin Bongo wurde vorgeworfen, die präsidiale Macht ausgenutzt und sich bereichert zu haben, nachdem der Staatschef 2018 einen Schlaganfall erlitt.
Der Prozess habe ein System zur Veruntreuung öffentlicher Gelder „zum Vorteil privater Interessen” offenbart, zitierte “Gabun Actu” aus der Anklage. In Medienberichten kam Sylvia Bongos früherer persönlicher Assistent zu Wort, wonach diese jedes Jahr bis zu 2,4 Milliarden CFA-Francs (3,6 Millionen Euro) für Kleider, Schmuck und Kunst ausgegeben haben soll.
Sylvia und Noureddin Bongo waren nach dem Staatsstreich vom 30. August 2023 verhaftet und 20 Monate lang in Gabun inhaftiert worden, bevor sie im Rahmen einer vorläufigen Freilassung das Land verlassen durften und nach London gingen. Sie bezeichneten den Prozess dem Bericht zufolge als politisch motiviert. Zehn ehemalige enge Mitarbeiter der Bongos stehen noch vor Gericht. Ihnen wird unter anderem Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder, aktive Korruption, Amtsmissbrauch, Urkundenfälschung und Geldwäsche vorgeworfen. Der Prozess gilt als einer der symbolträchtigsten in der Rechtsgeschichte Gabuns.