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Frau beim Reinigen eines Stolpersteins in Hamburg attackiert

Beim Reinigen eines Stolpersteins ist eine Frau (63) am Sonntagnachmittag in Hamburg-Eidelstedt aus mutmaßlich antisemitischem Motiv heraus angegriffen worden. Als Tatverdächtigen stellte eine Funkstreifenbesatzung einen 71-jährigen Kroaten, wie die Polizei Hamburg am Montag mitteilte. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts (LKA 7) ermittelt.

Es war der Tag, an dem sich die Reichspogromnacht zum 87. Mal jährte. Die 63-Jährige habe anlässlich des Gedenktages einen Stolperstein an der Kieler Straße gereinigt und eine Kerze aufgestellt. Der 71-Jährige soll, so der derzeitige Ermittlungsstand, auf die Frau zugekommen sein, die Kerze ausgepustet und diese weggeworfen haben. Zudem soll er sich antisemitisch geäußert haben. Später soll er der Frau ins Gesicht geschlagen und sie gewürgt haben. Die 63-Jährige habe ihn danach gefilmt, daraufhin habe der Mann ihr das Handy entrissen.

Die Frau erlitt laut Polizei leichte Verletzungen. Ein Rettungsdienst behandelte sie vor Ort. Die Streifenbesatzung nahm die Personalien des Tatverdächtigen auf. Danach entließ sie den Mann.

In der Nacht auf den 10. November 1938 wurden überall in Deutschland Synagogen sowie jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört. Jüdinnen und Juden wurden verhaftet, bedroht und ermordet.

Die Stolpersteine gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Die rund zehn mal zehn Zentimeter großen Gedenksteine aus Messing erinnern vor früheren Wohnorten an Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt, erniedrigt oder ermordet wurden. Allein in Hamburg sind mehr als 6.300 Stolpersteine verlegt worden.