Forschungen nach NS-Raubgut in Lippischer Landesbibliothek

Der Landesverband Lippe lässt den Bestand seiner Landesbibliothek in Detmold auf NS-Raubgut durchleuchten. Die eigens für das Provenienz-Projekt eingestellte Kulturwissenschaftlerin Antonia Reck untersuche zunächst für ein Jahr Medien, die aus der „Zeitgeschichtlichen Sammlung“ des ehemaligen Bibliotheksleiters Eduard Wiegands (1893-1979) stammen, teilte der Landesverband am Freitag in Detmold mit. Das Forschungsvorhaben wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste gefördert.

Der Literaturwissenschaftler Wiegand war den Angaben zufolge ein überzeugter Nationalsozialist. Als Direktor des damaligen Lippischen Staatsarchivs und der Lippischen Landesbibliothek baute er ab 1933 eine „Zeitgeschichtliche Sammlung“ auf, in die er nicht nur Schrifttum und Zeugnisse der NSDAP aufnahm, sondern auch von den Nazis „unerwünschte“ Bücher und Druckerzeugnisse von Regime-Gegnern und verfolgten Menschen, wie es hieß. Nach 1945 wurde die Sammlung aufgelöst. Die Bücher wurden in den Nachkriegsjahren zum Großteil in den Bestand der Landesbibliothek eingearbeitet.

„Die Landesbibliothek sieht sich in der Verantwortung, diesen Zusammenhängen nachzugehen“, erklärte der Landesverband Lippe. Nach den „Washingtoner Prinzipien“ zum Umgang mit NS-Raubgut sollten die Schriften überprüft und eine gerechte Lösung mit den vorherigen Besitzern gefunden werden. Gerechnet werde mit früherem Besitz von Gewerkschaften, Freimaurern, jüdischen Institutionen sowie Einzelpersonen aus der Region Westfalen-Lippe.

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