Forscher der Uni Duisburg-Essen und des Uniklinikums Essen äußern sich besorgt über das Gefälle in der ärztlichen Versorgung zwischen ärmeren und reicheren Stadtteilen. Im sozial schwächeren Norden von Essen gebe es im Vergleich zum bessergestellten Süden etwa ein Viertel weniger Hausärzte und nur halb so viele Kinderärzte, teilte die Hochschule am Montag den Befund einer Fallstudie zu Essen mit.
„Mit einer stärkeren sozialen Benachteiligung geht ein schlechterer wohnortnaher Zugang zur Primärversorgung einher, insbesondere für Kinder und Jugendliche“, lautet ein Fazit der Autoren. Diese ungleiche Verteilung könne eine gesundheitliche Ungleichheit verfestigen und am tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung vorbeigehen.
Üblicherweise werde die Verteilung der hausärztlich tätigen Ärzte durch die Kassenärztlichen Vereinigungen per Bedarfsplanung gesteuert, erläuterte der Politologe Philip Schillen, Erstautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeinmedizin. Diese Bedarfsplanung lasse aber das starke soziale Gefälle innerhalb einer Planungseinheit häufig unberücksichtigt.
Soziale und gesundheitliche Herausforderungen innerhalb von Stadtvierteln müssten dringend stärker berücksichtigt werden, hieß es weiter. Finanzielle Anreize für dort praktizierende Ärztinnen und Ärzte, Formen von Stipendien, finanzielle und organisatorische Unterstützung gebe es bereits für Hausärzte auf dem Land. „Aber das Problembewusstsein für die lokale Unterversorgung in der Stadt ist anscheinend sowohl in der Politik als auch in der Selbstverwaltung geringer“, erklärte Schillen.