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Forscher: Mindestlohn hat überwiegend positive Auswirkungen

Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 hat einem Forscher zufolge überwiegend positive Effekte. So habe sich die Lohnungleichheit in Deutschland seither verringert, sagte der Volkswirtschaftler Mario Bossler bei seiner Antrittsvorlesung an der Technischen Hochschule Nürnberg am Mittwoch. Zudem näherten sich die Löhne etwa zwischen Ost und West an: Unterschieden sich die monatlichen Einkommen von Ost- und Westdeutschland 2014 noch um zehn Prozent, sank die Differenz bis 2017 auf sechs Prozent.

Bei seiner Einführung vor zehn Jahren betrug der Mindestlohn 8,50 Euro pro Stunde, seither gab es mehrere Anpassungen. Zum 1. Januar 2026 steigt er erneut: von derzeit 12,82 auf dann 13,90 Euro und im darauffolgenden Jahr auf 14,60 Euro. Auch diese Entwicklung will Bossler wissenschaftlich begleiten.

Ein höherer Mindestlohn bedeutet laut dem Professor für Unternehmen steigende Lohnkosten, mit möglichen Folgen für den Arbeitsmarkt: In den ersten Monaten nach Einführung seien rund 60.000 Jobs weggefallen. Dies sei jedoch deutlich weniger, als prognostiziert worden war. Vor allem Minijobs seien betroffen gewesen.

Dennoch zeige diese Entwicklung Grenzen des Mindestlohns auf: „Eine zu starke Erhöhung kann negative Folgen haben, wenn die Beschäftigung für Arbeitgeber zu teuer wird“, sagte Bossler. Um Armut und Ungleichheit zu verringern, müsse die Politik über den Stundenlohn hinausblicken: Viele Mindestlohn-Empfänger arbeiteten in Minijobs. Damit sich ihre Einkommenssituation verbessert, brauche es Anreize, die mehr Arbeitsstunden ermöglichen.

Für seine Forschung greift Bossler auf anonymisierte Daten der Bundesagentur für Arbeit, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie des Statistischen Bundesamts zurück. Um externe Einflüsse wie die Corona-Pandemie oder Migration auszublenden, arbeitet er mit Vergleichsgruppen. (3662/20.11.2025)