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Forscher: Militärische Gewalt führt nicht zum Frieden

Um Kriege weltweit zu beenden und zu vermeiden, muss nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Christoph Weller die zivile Konfliktbearbeitung gestärkt werden. Frieden sei kein Zustand, sondern ein Prozess, sagte Weller in Augsburg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Darum brauche es „vielfältigste nicht-militärische Mittel, um die Eskalation der Konflikte auszubremsen“. Es sei „falsch, die deutschen Beiträge zur zivilen Konfliktbearbeitung zusammenzustreichen“. Am 5. Februar diskutiert Weller in Augsburg mit evangelischen Theologen über die neue Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Krieg und Frieden können laut dem Politikprofessor von der Universität Augsburg nicht als statische Gegensätze definiert werden. Die Unterscheidung „vereinfacht unseren Blick auf die Welt zu sehr“, sagte er. Angesichts von Cyberattacken, Drohneneinsätzen und Desinformation vom „hybriden Krieg“ zu sprechen, sei schwierig: „Wir wissen nur sehr eingeschränkt, welche Absichten die Regierungen mit diesen Aktionen verfolgen.“

Unter „Krieg“ werde die Austragung eines zwischenstaatlichen Konflikts mit militärischer Gewalt verstanden. Die Bezeichnung lenke jedoch davon ab, dass beim Umgang mit den Ursprungskonflikten bereits viel schlecht gelaufen sei, sagte der Friedensforscher. So blieben die Möglichkeiten ziviler Konfliktbearbeitung unterbelichtet. Auch das Reden von der Kriegstüchtigkeit erwecke den „falschen Eindruck, militärische Gewaltmittel wären der wichtigste Beitrag“ auf dem Weg zum Frieden. Dabei seien sie „teuer und friedensgefährdend“.

Das Zusammenleben bringe immer Veränderungen mit sich, die naturgemäß politisch umstritten seien, so Weller. Die Bearbeitung dieser Konflikte könne mehr oder weniger friedlich erfolgen. Die Forschung begreife Frieden als Prozess, der von abnehmender Gewalt und zunehmender Gerechtigkeit gekennzeichnet sei. Er sei gefährdet, könne aber durch Institutionen wie den UN-Sicherheitsrat stabilisiert werden.

Frieden ist laut Weller auch ethisch unbedingt von Sicherheit zu unterscheiden. Militärische Maßnahmen zur Herstellung der eigenen Sicherheit vergrößerten bei allen anderen die Unsicherheit. Dieses „Sicherheitsdilemma“ verursache etwa die Aufrüstungsspirale. Sicherheitsdenken konzentriere sich nur auf die eigene, Friedensdenken hingegen auch auf die Sicherheit der anderen.

An der EKD-Friedensdenkschrift verstehe er nicht, warum das Sicherheitsdenken darin mehr Raum einnehme als Maßnahmen für gerechten Frieden, kritisierte Weller. Die Denkschrift habe „eine Schlagseite zum Sicherheitsdenken und passt sich damit zu sehr dem aktuellen politischen Diskurs an“. (0039/08.01.2026)