Frauen und Mädchen mit Behinderungen werden häufiger Opfer von sexualisierter Gewalt, sagt ein Experte – und erklärt, warum. Er nimmt auch andere Bereiche in den Blick und fordert mehr Mitdenken beim Katastrophenschutz.
Um Menschen mit Behinderung besser vor Gewalt zu schützen, fordert der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, hinreichende Gewaltschutzkonzepte. Vor allem brauche es einen verbesserten Schutz in Wohneinrichtungen oder Werkstätten, sagte Dusel dem Portal Web.de News. “Vor allem Frauen und Mädchen mit Behinderungen haben ein etwa dreifach höheres Risiko, Opfer von Gewalt und auch sexualisierter Gewalt zu werden als Frauen ohne Behinderungen.”
Täter dächten, dass sich die Opfer nicht so gut Hilfe holen könnten. “Gerade Frauen mit intellektuellen Beeinträchtigungen oder Frauen, die taub sind, sind besonders betroffen”, kritisierte Dusel. Nötig seien mehr Angebote zur Selbstermächtigung und eine Sensibilisierung der Strafverfolgungsbehörden. “Es geht aber nicht nur um die Einrichtungen, sondern auch um den öffentlichen Raum.”
Menschen mit Behinderung werden nach Worten von Dusel auch beim Bevölkerungs- und Katastrophenschutz oft noch zu wenig mitgedacht. Kräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk müssten zum Beispiel speziell für die Situation von Menschen mit Behinderung geschult werden, die im Fall des Falles besonders gefährdet seien. Auch müssten Notfall-Apps so konzipiert werden, dass Menschen mit Behinderung sie bedienen könnten.